Berlin - „Nichts ist gelber als Gelb selber“, heißt es. Gelb ist ganz klar eine Farbe des Frühlings. Sie ist allgegenwärtig: Diese unzähligen winzigen Blüten an den Büschen überall – von Fachleuten Forsythien genannt. Und auch die Osterglocken blühen längst.

Schon davor schenkten uns die Winterblüher etwas Farbe: die leuchtend gelben Winterlinge oder die weißen Schneeglöckchen. Die Wiesen waren voller lilafarbener Krokusse, es gab weiße Märzenbecher – und die Teppiche der blauen Leberblümchen sind noch überall zu sehen. Und auch die Kirschbäume stehen derzeit in voller rosafarbener Pracht. Sie blühen erst und dann kommen irgendwann die grünen Blätter.

Der Frühling ist längst da – obwohl die Kälte der vergangenen Woche wie Winter wirkte. Doch nach diesem Wochenende soll es wieder reichlich Sonne geben: Und Licht ist nun mal Leben. Je länger die Sonne am Himmel steht, umso bunter wird die Welt. Es ist tatsächlich so: Die Parks liegen oft noch voller Laubteppiche vom vergangenen Herbst, die von der Sonne aufgeheizt werden und dafür sorgen, dass sich der Erdboden noch ein wenig mehr aufheizt – sodass immer mehr Blumen sprießen.

So einfach ist das Leben. Das Schöne daran: Egal, wie schwer so manche Gedanken in diesen kriegerischen Zeiten auch sein mögen – die Natur macht einfach weiter: Sie liefert auch dieses Jahr wieder einen Frühling.

Irgendwie haben sich die Menschen dem Weltenlauf ganz wunderbar angepasst. Im Winter, wenn die Wälder und Parks eher düster sind, kalt und blattlos, sitzen wir lieber zu Hause an der warmen Heizung und schauen in die Glotze. Doch kaum steigt die Sonne etwas höher, drehen wir die Heizung etwas herunter und glotzen auf die blühenden Landschaften. Wir sitzen im Café am See oder in der Pizzeria am Park und genießen das größte Schauspiel der Welt: das Erwachen der Natur nach einem langen Winter.

Doch bei aller Freude über die vielen kleinen bunten Blüten überall wird meist vergessen, dass nicht Gelb oder Weiß, nicht Lila oder Blau die wichtigsten Farben sind, sondern eine ganz andere.

Das hat mir unser kleiner Sohn mit einem einzigen Satz erklärt. Kinder sind in solchen Dingen – wegen ihres klaren, naiven Blicks – oft viel schlauer. Als ich ihn fragte, warum ausgerechnet Grün seine Lieblingsfarbe ist, sagte er: „Weil Grün die meiste Farbe der Welt ist.“ Erst stutzte ich, doch dann verstand ich es: Vom Blau des Meeres sehen wir meist nicht allzu viel, und auch der Himmel ist nicht immer blau. Aber länger als ein halbes Jahr ist das Grün der Wiesen, der Bäume, Wälder und Büsche geradezu allmächtig. Und die große Zeit der Farbe Grün beginnt genau jetzt.