Berlin - Wenn Berliner Polizisten scharf schießen, dann etwa auf verletzte Wildschweine. Oder auf Hunde, die um sich beißen. 61 Mal passierte das im vergangenen und 55 Mal in diesem Jahr. Manchmal geben Polizisten auch Warnschüsse in die Luft ab, um einen wegrennenden Delinquenten davon zu überzeugen, dass es besser ist, stehen zu bleiben. Acht Mal geschah das im vergangenen Jahr und zwei Mal in diesem.

Gezielt auf Menschen geschossen wurde aber auch. Seit 2008 zählte Berlins Innenverwaltung jedes Jahr ein Todesopfer, wie aus einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen hervorgeht. So traf 2011 im Bezirk Reinickendorf ein Projektil eine geistig Verwirrte, als Polizisten helfen sollten, sie in die Psychiatrie zu bringen. Die Frau sei mit einem Messer auf Beamte losgegangen, hieß es. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen ein, weil der Polizist seinen Kollegen schützte.

Im Oktober 2012 starb im Wedding ein Mann, der mit einem Messer und einer Axt auf Polizisten losgegangen sein soll. Das Verfahren gegen die Polizei läuft noch. Fast hätte es sogar einen Polizisten in Zivil erwischt. Mit der Waffe in der Hand hatte er in Moabit einen Einbrecher gejagt. Kollegen in Uniform hielten ihn selbst für den Täter, der sie bedrohen wollte, und schossen. Glücklicherweise trafen sie nicht.

Berlins Polizei schießt nicht öfter

In diesem Sommer erschoss ein Polizist einen nackten Mann am Neptunbrunnen in Mitte. Der war verwirrt und hatte den Beamten mit einem Messer bedroht. Der Polizist habe aus Notwehr gehandelt, sagte die Staatsanwaltschaft.

Tatsächlich schießt Berlins Polizei nicht öfter als die in anderen Bundesländern. „Die Zahlen zeigen, dass die Waffe nicht zu locker sitzt“, sagt Benedikt Lux von den Grünen. „Aber beim Umgang mit psychisch Kranken in Extremsituationen sollte die Polizei besser vorbereitet sein.“ Aus der Ferne lässt sich so etwas gut sagen, kontern Polizisten.

Ein Beamter, der seit 20 Jahren im Westen der Stadt unterwegs ist, sagt: „Jeder von uns hofft, dass er nie in die Situation kommt, eine Waffe auf einen Menschen richten zu müssen.“ Meistens gelingt es auch, den Konflikt anders zu lösen. Etwa, als 2012 in Lichtenberg ein Mann einen Fernseher und Geschirr aus dem Fenster warf. Als Beamte in seine Wohnung gingen, griff er sie mit einer Axt an. Einer schoss ihm ins Bein, um ihn zu stoppen. Er hatte Glück: In Notwehr hätten die Polizisten ihn auch erschießen können.

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