Der Weg zum Wasser ist in Berlin nicht weit: Fast jeder Bezirk hat seinen See und seine Badestellen. Müggelsee, Tegeler See und Wannsee sind die größten. Und jenseits der Stadtgrenze, in Brandenburg, geht es gleich weiter. Hier locken Perlen wie der Köthener See, der Krimnicksee oder das Strandbad Buckow am Schermützelsee.

Insgesamt 39 Badegewässer hat Berlin und 252 das Land Brandenburg. Beinahe jeden Tag des Jahres könnte man seinen Fuß in andere Gewässer stecken. Noch dazu sind sie fast alle in hervorragendem Zustand. „Die Badegewässerqualität ist sehr gut“, sagt Silvia Kostner, Sprecherin im Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso). Berlin sei als Großstadt in Europa führend, was die Bademöglichkeiten und ihre Überwachung betreffe.

„Wir garantieren dafür, dass die Badegewässer hervorragend sind“, sagt auch Heidrun Seyfferle, Fachreferentin im Potsdamer Ministerium für Verbraucherschutz. Jeder könne in einem See baden, ohne Angst zu haben, dass ihm etwas passiert.

Im Tegeler See finden sich neuartige Algen

Die knapp 300 Seen zählen zu den EU-Badegewässern. Das sind Badestellen, die der EU offiziell gemeldet sind und an denen mit einer großen Anzahl Menschen gerechnet wird. Daneben gibt es in Berlin und Brandenburg zahllose wilde Badestellen. „Für die können wir keine Gewährleistung übernehmen“, sagt Kostner.

Doch es gibt in Berlin ein paar Wermutstropfen im klaren Wasser. Am Schlachtensee gab es in den letzten Tagen Anzeichen für eine erhöhte Anzahl Kolibakterien, sodass das Lageso vom Baden abriet. „Man sollte beim Baden Vorsicht walten lassen – sonst gibt es eventuell Erbrechen und Durchfall“, sagt Kostner.

Im Tegeler See finden sich seit vergangenem Jahr neuartige Algen: sogenannte Tychonema. Diese sind gefährlich für Hunde und haben bereits den Tod von zwei Tieren verursacht. „Die Algen stoßen ein Gift aus: Anatoxin A“, berichtet Kostner. Es gilt als Nervengift und ist auch unter dem Namen Very Fast Death Factor bekannt. Das Gift war nachweislich für den Tod von einem der Hunde verantwortlich. Der Grund: Hunde trinken das Badewasser.

Blaualge ist ein Problem 

„Wir warnen prophylaktisch-präventiv, dass Kinder nicht mit den Algen in Berührung kommen sollten“, sagt die Sprecherin. Eltern sollten darauf achten, dass Kinder die Algen nicht in die Hand nehmen oder damit spielen. Sie rechnet damit, dass die gefährlichen Algen in den nächsten Tagen verschwinden, wenn sich das Wasser aufheizt.

Im Hochsommer komme dann allerdings die Blaualge hoch, die Erbrechen und Kopfschmerzen verursachen könne. Auch hier fordert sie Eltern auf, ihre Kinder anzuhalten, kein Wasser zu schlucken.

Die Blaualge ist auch für Manfred Krauß, den Gewässerexperten des BUND Berlin, ein Problem. Zwar sei es nicht gefährlich, mit Blaualgen im Wasser zu baden, doch reagierten manche Menschen allergisch. „Wenn das Wasser nicht klar ist, sollte man sich nach dem Baden lieber abduschen, wenn die Möglichkeit besteht.“

Krauß sagt, er achte genau darauf, wie klar das Wasser sei, in dem er schwimmt. Wenn es ginge, fahre er lieber nach Brandenburg zum Baden, besonders zu eher abgelegenen Seen wie dem Stechlin.

In Tagen nach Starkregen mit Kindern eher ins Schwimmbad gehen 

Das Berliner Wasser sei zwar in den letzten Jahrzehnten besser geworden, doch gebe es weiter Probleme. „Man geht zum See und denkt, ach, ist hier viel Wasser, doch die Wassermenge täuscht“, sagt er und fügt hinzu: „Das Wasser steht – es fließt nicht.“

Die Spree trägt laut Krauß zu langsam frisches Wasser in die Stadt. „Der Abflusswert des Rheins liegt bei 1000 Kubikmetern pro Sekunde, in Berlin dagegen bei 50 Kubikmetern, an manchen Tagen nur bei 8 oder darunter.“ Das führe dazu, dass Schadstoffe nicht sehr schnell abtransportiert werden.

Besonders problematisch ist das nach Starkregen. In den Tagen nach einem Gewitter und starkem Regen kommt es aufgrund von Besonderheiten im Kanalisationssystem zu sogenannten Notauslässen der Berliner Wasserbetriebe. „Dabei kommen ungeklärte Abwasser in Seen und Flüsse und damit eine erhöhte Keimbelastung“, sagt Lageso-Sprecherin Kostner. Sie empfiehlt, in den Tagen nach Starkregen mit Kindern eher ins Schwimmbad zu gehen. Krauß rät zu zehn Tagen Badeseen-Abstinenz, bis die Bakterien abgeflossen sind.

Besonders die vier Seen an der Unterhavel, darunter der Grunewaldsee und die Kleine Badewiese, können hiervon betroffen sein. Für diese Seen bietet das Lageso auf seiner Webseite badegewaesser-berlin.de eine tägliche Information zur Qualität. Auf der Webseite gibt es auch Informationen über Themen wie Rettungsstellen, Blaualgen, WCs, Bushaltestellen und Parkmöglichkeiten an den Hauptstadtseen.

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Der Heiligensee

Der Heiligensee in Heiligensee, dem westlichsten Ortsteil Reinickendorfs, ist gut versteckt. Das liegt zum einen daran, dass er am äußersten Rand Berlins liegt. Zum anderen hat es damit zu tun, dass sich das etwa 32 Hektar große Gewässer in Privatbesitz befindet. Das Strandbad Heiligensee am Südufer bildet den einzigen öffentlichen Zugang zu dem frischen Nass.

Für alle, die es beschaulich und familiär mögen, ist der See eine Reise in den hohen Norden der Stadt wert. Denn wer sich dort für einen halben oder ganzen Tag niederlässt, wird den Retro-Charme der Anlage schätzen lernen: alte Holzbänke in den Umkleiden, der Eintritt wird am Campingtisch kassiert. Dort kann man auch eine Luftmatratze leihen oder eine Pumpe, um die eigene Unterlage aufzublasen. Kurios sind die kleinen Lauben am Rand der Liegewiese, davor die Gartenbesitzer, die die Tagesgäste gut im Blick haben.

Ins Wasser geht es via Nichtschwimmerbereich über einen langen Steg, den Sprungturm oder Rutschen. Die Wasserqualität wird alle 14 Tage überprüft und ist ausgezeichnet. Der Eintritt kostet 3,50 Euro für Erwachsene, 3 Euro für Studenten und 2,50 Euro für Kinder. Geöffnet täglich von 9 bis 19 Uhr. 

Fazit: Prima für Familien, denn Eis, Pommes und Süßes gibt es auch. An heißen Tagen ist es auch hier voll und nicht einfach, in der Nähe einen Parkplatz zu finden. Anreise per Bahn und Bus (324) oder mit dem Rad ist eine Alternative. 

(Anne Brüning)

Der Kleine Müggelsee

Der Kleine Müggelsee in Treptow-Köpenick ist eine Wassernische, die vom Großen Müggelsee abzweigt und eine seenartige Erweiterung der Müggelspree ist. Die leicht versteckte Badestelle ist auch deshalb so urig, weil sie von einem Wald mit Kiefern gerahmt wird und man hier die Füße tief in den Sand bohren kann. Das Gelände ist abschüssig, sodass man den See immer Blick hat.

Es gibt Schattenplätze, Sonnenecken und Stellen am Wasser, von denen man die Füße ins Wasser halten kann. Tagsüber spielen Kindern am sandigen Seeufer, wo es flach hineingeht. Abends trifft sich die Köpenicker Jugend. Mit Glück kann man einen Abend allein dort verbringen. Am schönsten ist es ohnehin abends, wenn die Sonne untergeht.

Im Sommer ankern viele Sportboote in der idyllischen Ecke, der Schwimmbereich ist sportbootefrei. Es gibt zwei kleine Restaurants in Laufweite. Im Sommer wird es schwer mit der Parkplatzsuche, daher auf den Bus (169) oder aufs Rad umsteigen. 

Fazit: Ein romantischer Ort. Die Wasserqualität wurde in den letzten vier Jahren als „ausgezeichnet“ eingestuft.  

(Melanie Reinsch)