Langsam, aber sicher rollen die Margherita-Pizzas durch Berlin. Ein rechteckiger Lieferroboter surrt über einen Charlottenburger Gehsteig, lässt eine Domino’s-Filiale hinter sich, dort hat er die Fracht geladen.

Doch ganz allein durch die Gegend kurven darf er noch nicht: Ein Mitarbeiter der Softwarefirma Teraki läuft mit einer großen Fernbedienung in der Hand mit – zur Sicherheit, so ist es vom Senat gewollt. Fünf Wochen lang testen die Entwickler in Zusammenarbeit mit Domino’s die Lieferung mit selbstfahrenden Robotern rund um eine Filiale am Spandauer Damm.

Die eigentliche Steuerung des Lieferroboters erfolgt aus der Nähe des Tiergartens, jemand sitzt in einem Büro und gibt das Ziel ein. In Deutschland ist das der erste Versuch mit solchen Fahrzeugen auf öffentlichen Gehsteigen. Dafür war eine Sondergenehmigung von der Senatsverwaltung für Mobilität nötig.

Roboter soll angeblich kein Personal ersetzen

So soll das Ganze funktionieren: Der Kunde sieht auf seiner App, wann seine Pizza da ist, kommt auf die Straße und öffnet das isolierte Fach mit einer Pin.

„Letztendlich gibt es immer jemanden, der aus der Ferne sicherstellt, dass der Roboter funktioniert“, sagt Daniel Richart, CEO bei Teraki. Ziel sei es nicht, durch die technologische Entwicklung Personal zu ersetzen. „Wenn ein Prozentsatz der Lieferungen per Roboter erfolgt, hilft uns das mit zusätzlichen Anfragen zurechtzukommen“, so Richart.

Der Roboter wendet und stoppt, denn wir stehen im Weg. So ist er programmiert, er wartet, bis ein Hindernis ihm ausweicht – oder er selbst per Fernsteuerung umgelenkt wird. Bei seiner Geschwindigkeit von sechs Kilometer pro Stunde kann eine Lieferung also etwas dauern. Der Mitarbeiter mit der Fernbedienung hätte im Prinzip auch die Pizza zum Kunden tragen können. Aber es geht hier schließlich um Zukunftsvisionen.

In der Testphase sind erst mal nur Lieferungen zu Adressen möglich, die etwa einen Kilometer, also gut zehn Minuten Fußweg, von der Filiale entfernt liegen.

Die Technologie stammt aus der Automobilbranche und ist dort ausgiebig getestet worden. An größeren Kreuzungen müsste der Mitarbeiter mit der Fernbedienung dennoch eingreifen, sagt Richart und deutet auf eine Ampel. Aber auch das Überqueren solcher Kreuzungen soll künftig möglich sein. Der Roboter könnte theoretisch auch nachts und bei Regen liefern, sagt Richart. In der Testphase sei er aber vorerst nur bis 17 Uhr unterwegs.

Stadt der Zukunft: Überall Roboter?

Die Stadt der Zukunft stellt sich Daniel Richart voller solcher Fahrzeuge vor. Sie könnten Medikamente, Bücher oder Spiele zu den Kunden bringen. In anderen Ländern würden die Roboter bereits auf Straßen getestet, vor allem in verkehrsberuhigten Bereichen sei das möglich.

Die Macher wollen, so sagen sie, unter anderem dem Klimawandel entgegenwirken und mit dieser Form von Mikromobilität zukünftig dafür sorgen, dass weniger Autos auf der Straße fahren. „So schaffen wir eine grüne Alternative“, sagt Jean Navarette, Pressesprecher von Teraki.

Vermutlich dann ohne Begleitpersonen mit Fernbedienung in der Hand.