Hirschfelde - Wie es sich für einen Botschafter gehört, weht natürlich die Fahne seines Landes über seinem Grundstück. Der rot-weiße Stoff ist schon etwas ausgeblichen von Wind, Wetter und vom Regen. Aber noch ist die Flagge so gut erhalten, dass sie nicht peinlich ist. Hätte der bekannte Fernsehmoderator Dieter Moor die Fahne seines Geburtslandes gehisst, wäre sie ebenfalls rot-weiß: roter Grund, weißes Kreuz – die Schweizer Nationalflagge.

Doch der 54-Jährige gab vor zehn Jahren seinen Bauernhof in den Alpen auf und ist seither Wahlbrandenburger. Deshalb weht eine rot-weiße Flagge mit rotem Adler über dem Biobauernhof in Hirschfelde (Barnin), den vor allem seine Frau Sonja betreibt.

Werbung für das Landleben

Moor, der sonntags das Hauptkulturmagazin der ARD moderiert, ist inzwischen so etwas wie der freiwillige Botschafter Brandenburgs. Das liegt vor allem an seinem Buch „Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht“, das er 2009 veröffentlichte. Es war eine 300-seitige Liebeserklärung an seine Nachbarn und das oft geschmähte Land. Nun hat er Teil 2 geschrieben. Ebenfalls ein papiergewordener Liebesbrief.

„Ich haben nichts gegen die Rolle des Botschafters “, sagt er. „Denn als Schweizer stehe ich nicht im Verdacht ein Brandenburger Lokalpatriot zu sein. Und manchmal ist die Sicht von außen vielleicht auch ehrlicher und klarer.“ Auch im neuen Buch stellt er sich klar auf die Seite derer, die das einfache Landleben bevorzugen, die einen harten, aber ehrlichen Ton anschlagen und sich auch mal klar die Meinung sagen.

Und er lästert über die Vorurteile mancher „Metropolisten“ aus Berlin, die am liebsten nicht aufs Land fahren wollen, weil sie dann etwas machen müssten, das für sie eigentlich undenkbar erscheint: Kontaktaufnahme mit Brandenburgern.

Das zweite Buch ist sprachlich anspruchsvoller und auch bewusster konstruiert, aber wieder sehr herzlich im Ton: eine charmante Homage an die kantigen Brandenburger Bollerköppe. Das Buch ist auch wieder durchzogen von federleichtem Humor. So sagt Moor im Buch zu seiner Frau: „Wir haben das gut gemacht, mein Schatz, richtig gut.“ Seine Frau antwortet nur: „Was von dem vielen, was wir machen, haben wir gut gemacht?“

Allzweckwaffe beim RBB

Moor steht am Rande einer Weide und schaut über sein Land. „Ist einfach schön hier. Warum soll ich das den Leuten nicht erzählen?“ Das erste Buch war nicht nur ein Bestseller, sondern ein Longseller. Er verkaufte sich nicht nur kurzzeitig ganz gut, weil wieder mal ein Fernsehfuzzi ein Buch geschrieben hat. Es kam ohne viel Werbung auf den Markt und wurde vor allem durch Mund-zu-Mund-Propaganda groß. „Es geht noch immer gut“, sagt seine Lektorin, „400.000 Stück wurden verkauft.“

Moor gibt zu, dass es schwer ist, heutzutage einen Biobauernhof neu zu gründen gegen die Allmacht der großen Industriebauernhöfe. Bei ihnen habe es nur geklappt, weil er Geld beim Fernsehen verdient. Inzwischen ist er so etwas wie die Allzweckwaffe für gehobene Unterhaltung beim RBB. Er moderierte lange Zeit eine Talkshow, nun fährt er unter dem Titel „Bauer sucht Kultur“ mit Künstlern übers Land, philosophiert in „Köche und Moor“ über gesunde Ernährung und in „Bücher und Moor“ über Literatur.

Als sein erstes Buch auf dem Markt kam, gab es aber auch etwas Streit im Dorf. Denn einige Bewohner waren genervt, weil nun an den Wochenenden immer mal wieder schaulustige Moor-Fans ins Dorf kamen. In einigen Fenstern hingen Schilder mit der Aufschrift „No Moor“. „Doch das waren nur ein paar“, sagt die Frau, die früher in jenem Dorfladen gearbeitet hat, der durch das Buch berühmt wurde. „Aber der Ärger hat sich gelegt , alles hat sich wieder beruhigt.“

Buchschreiben während der „Rückzugsoffensive“

In dem hübschen 220-Seelen-Dorf heißt es, dass sich nicht etwa die Alteingesessenen, sondern vor allem die Zugezogenen erregt haben. Dieter Moor sagt, dass die Sache für ihn erledigt sei. „Die sich aufgeregt haben, taten so, als wären sie eine große Front. Dabei waren es nur neun Leute, acht Zugezogene aus dem Westen.“

Jedenfalls startete er dann eine „Rückzugsoffensive“ und schrieb zwischen seinen Fernsehjobs am Buch. „Nach dem ersten dachte ich: Das schreib sich so weg.“ Doch dann zog es sich. Beim ersten seien die Erwartungen eher bei Null gewesen, jetzt sind sie ziemlich groß. „Ich musste mich einfach viel mehr anstrengen und bin jetzt viel demütiger.“

Wie viele Bücher noch folgen, weiß er nicht. „Es ist wie bei manchen Frauen, die sagen auch nach jeder Geburt, dass sie kein Kind mehr wollen und werden dann doch wieder schwanger.“ Er überlegt kurz. „Ich kann nicht sagen, wie viele Bücher es noch werden.“

Aber zwei Sachen sind für ihn klar: „Ich werde nie einer von hier sein. Ein echter Brandenburger. Aber trotzdem fühle ich mich gut aufgenommen, angekommen, akzeptiert und zu Hause. Hier ist also auch Heimat.“