Dieter Puhl, seit neun Jahren Leiter der Bahnhofsmission am Zoologischen Garten, sieht das Thema Obdachlosigkeit als „Moloch“. „Wir können hier entwickeln und machen und tun – wir werden immer nur ein Stückchen abdecken“, schreibt der 1957 geborene Sozialarbeiter in seinem neuen Buch „Glück und Leid am Bahnhof Zoo“ (Kreuz Verlag).

Sein Traum, der nicht wahr werde, sei ein Deutschland ohne Obdachlose.
Puhl, der dafür bekannt ist, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, erzählt nicht nur Anekdoten aus seiner beruflichen Laufbahn und von Jesus als „verflucht gutem Partner“. Auch das Aufwachsen als Flüchtlingskind in Schleswig-Holstein (Mutter aus Ostpreußen, Vater aus Posen) und schulischen Misserfolg reißt Puhl an - die Zeit, bevor er 1975 zur Diakonenausbildung ins „trendy“ West-Berlin kam. Damals habe er weniger als ein Zwanzigstel seines Einkommens für die Miete ausgegeben: 74 D-Mark. Es blieben „viel Schotter“ und „viel Fun“.

Später erzählt der Träger des Bundesverdienstkreuzes von der Armut in der heutigen Berliner Innenstadt, dem Phänomen der „Wilmersdorfer Witwen“ etwa: Ältere Damen mit 800 Euro Rente, die 600 Euro Miete zahlen und für zwei Brötchen und Kaffee in die Bahnhofsmission kommen, wenn es eng wird. Puhl: „Das ist erbärmlich.“ (dpa)