BerlinVor den Polizeisperren demonstrierten Klimaschützer, jenseits davon drückte  Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am Sonnabend gegen 15 Uhr symbolisch einen roten Knopf. Damit galt der Flughafen Berlin Brandenburg, kurz BER, als offiziell eröffnet. „Lassen Sie uns diesen Flughafen gemeinsam zu einer Erfolgsgeschichte machen“, sagte der Mann, der es mit seinem Team anders als seine Vorgänger geschafft hat, den BER ans Netz zu bringen. Zwar sei dieser 31. Oktober „kein historischer Tag“. „Aber es ist für uns, für Berlin und Brandenburg, für Ostdeutschland ein ganz wichtiger Tag“, sagte er nach der Landung der ersten zwei Flugzeuge mit Passagieren am BER. Ihm und den anderen Beteiligten war die Erleichterung anzusehen, dass der Flughafen tatsächlich fertig geworden ist. Doch sie wissen auch, dass das Schwierigste noch kommt: Wird die Luftfahrtbranche ihre bisher schwerste Krise überstehen?

Zwar sei die Zahl der Lufthansa-Flüge in Berlin weniger stark gesunken als anderswo, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. „Statt 60 Flüge am Tag wickelt die Lufthansa-Gruppe nun 40 ab“, sagte er. Doch die Lage sei ernst. Das hatte zuvor auch Easyjet-Chef Johan Lundgren betont. „Wir wissen nicht, wie lange die Krise dauert. Und wir kennen immer noch nicht ihr volles Ausmaß“, hatte er vor dem Start des Erstflugs zum BER in Tegel mitgeteilt. Wie berichtet, reduziert die britische Airline die Zahl ihrer in Berlin stationierten Flugzeuge von 34 auf 18. Rund 400 Arbeitsplätze werden abgebaut.

Allerdings hätten vor allem die nationalen Fluggesellschaften , die von „Premium-Fluggästen“ abhängig seien, Grund zur Sorge, meinte Lundgren weiter. Auf absehbarer Zeit werde der Geschäftsreiseverkehr eine viel kleinere Rolle spielen als früher. „Dieser Bereich ist am stärksten von der Krise betroffen.“ Wer Privatreisende zu seinen Hauptkunden zähle, werde besser durch die Zeiten kommen. Trotz Corona wollen Menschen Freunde und Verwandte besuchen, auch Urlaubsreisen gebe es weiterhin.

Der BER hat bessere Chancen als die Konkurrenz

Weil der Privatreiseverkehr auf den Berliner Flughäfen immer schon einen großen Anteil hatte, werde sich „der BER schneller erholen als seine Konkurrenz“, sagte Burkhard Kieker, Chef von Visit Berlin. Berlin habe den „richtigen Verkehrs-Mix“.

„Es ist nicht einfach, in dieser Zeit einen Flughafen zu eröffnen“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) während der Eröffnungsfeier in Schönefeld. „Doch der BER hat Chancen, gestärkt aus der Krise hervorzugehen.“ Er werde ein „großer Flughafen in einer boomenden Region“ sein.

Am 8. November schließt der Flughafen Tegel zugunsten des BER. „Ich weiß, wie vielen Menschen das Herz blutet, wenn Tegel schließt“, sagte Müller. „Einen internationalen Flughafen mit so kurzen Wegen wird es nicht mehr geben. Doch Tegel ist kein Flughafen der Zukunft.“

„Der Flughafen BER ist auch ein Stück weit Wiedervereinigung und Nachwendegeschichte“, so der Regierenden Bürgermeister weiter. Er erinnerte an die die zahllosen Probleme in der 14-jährigen Baugeschichte des zentralen Fluggastterminals. „Es gab in den vergangenen Jahren Tage, die waren zum Verzweifeln.“

Minister war schockiert

„Nach 60 Jahren Tegel sage ich dem dortigen Team Danke“, so Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). An einem solchen Flughafen so viele Passagiere abzufertigen, sei eine große Leistung gewesen.Scheuer berichtete von seinen Eindrücken, als er 2018 den damals noch nicht fertigen BER besuchte. „Die Decken waren offen, Kabel hingen herunter, keine Rolltreppe funktionierte“, erinnert sich der CSU-Politiker. Doch Flughafenchef Lütke Daldrup habe ihm versichert: „Der Eröffnungstermin 2020 steht.“ Dieser Termin wurde nun gehalten. Ein Grund zum Feiern – trotz der Coronakrise.

Scheuer berichtete von seinen Eindrücken, als er 2018 den damals noch nicht fertigen BER besuchte. „Die Decken waren offen, Kabel hingen herunter, keine Rolltreppe funktionierte“, erinnert sich der CSU-Politiker. Doch Flughafenchef Lütke Daldrup habe ihm versichert: „Der Eröffnungstermin 2020 steht.“ Dieser Termin wurde nun gehalten. Ein Grund zum Feiern – trotz der Coronakrise.