Berlin - Eine Berliner Schule gehört nun bundesweit zur digitalen Avantgarde: Das John-Lennon-Gymnasium in Mitte ist vom einflussreichen Bundesverband Information, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) zur Smart School ernannt worden.

Die Ausstattung mit Wlan und Whiteboards, vor allem aber die fächerübergreifenden, digitalen Lerninhalte und die Fortbildungsangebote seien wegweisend, sagte Natalie Barkei, Projektleiterin der Bitkom. Die Schule in der Zehdenicker Straße ist damit die 21. Smart School in Deutschland.

Das John-Lennon-Gymnasium ist die erste Berliner Schule, die auf diese Weise prämiert wurde. Besonders gefallen haben der Jury die digitale Lernplattform namens „itslearning“ und der gemeinsame Arbeitsstil an der Einrichtung.

Der Deutsch- und Englischlehrer Nico Tobias Wirtz hat die technischen und inhaltlichen Veränderungen als Koordinator für die digitale Schulentwicklung maßgeblich vorangetrieben. „Unsere Lernplattform stammt aus Norwegen und ermöglicht uns einen guten Austausch miteinander“, sagt der 46-jährige Wirtz.

Früher seien die Lehrer ja eher Einzelkämpfer gewesen. Mit der digitalen Lernplattform würden sie beispielsweise ihre bewährten Arbeitsblätter dort für alle einstellen – und die Kollegen könnten noch Ergänzungen vornehmen.

Mehr Austausch untereinander

„Natürlich sprechen die digitalen Lerninhalte in besonderer Weise auch die Schüler an, weil sie multimedial arbeiten können“, sagt Wirtz. An die Arbeitsblätter könne man auch Lernfilme, Musikdateien, ergänzende Umfragen oder andere Dinge anhängen – je nach Schulfach. „Der Austausch untereinander erleichtert unsere Arbeit, da wir verstärkt auch auf das Know-how der Kolleginnen und Kollegen zurückgreifen können“, sagt Lehrer Wirtz. „So kommen wir wieder stärker dazu, das zu tun, wofür wir studiert haben: die pädagogische Arbeit mit unseren Schülern.“

Am John-Lennon-Gymnasium ist auch der Vertretungslehrplan längst online jederzeit einsehbar, so dass Lehrer und Schüler ihren Alltag besser planen können. Der langjährige, im Februar in den Ruhestand verabschiedete Schulleiter Jochen Pfeifer hat früh an die digitale Weiterentwicklung der Schule gedacht und seinem jüngeren, digitalaffinen Kollegen Wirtz einigen Freiraum verschafft, um die Digitalisierung der Schule voranzubringen.

Ein „digitales Lehrerzimmer“

Wichtig war es dabei auch, auf etwaige Vorbehalte im Lehrerkollegium einzugehen. Es gab Studientage, an denen schon mal heftiger diskutiert wurde. Behutsam brachte Wirtz auch weniger interessierten Kollegen die Möglichkeiten des digitalen Lernens nahe. Im wöchentlich an alle Lehrer versendeten E-Mail-Bulletin des Schulleiters veröffentlichte Wirtz stets kleine Techniktipps.

Außerdem gibt es ein für alle Lehrer auch vom heimischen Computer aus zugängliches „digitales Lehrerzimmer“. Dort sind allerlei Lernvideos zu sehen, wie etwa bestimmte technische Dinge funktionieren. Das können sich die Lehrer immer wieder ansehen. Zudem gibt es in der Schule auch noch einen wöchentlich stattfindenden Techniksalon, den Lehrer und Schüler, mitunter auch Eltern besuchen, um sich über neuere Entwicklungen und pädagogische Konzepte auszutauschen. Wirtz selbst findet, dass Medienbildung in der Lehrerausbildung noch eine viel größere Rolle spielen müsste.

Mit Erlaubnis der Lennon-Witwe

Das reformpädagogisch orientierte Lennon-Gymnasium, das sich vor gut 20 Jahren nach ausdrücklicher Zustimmung von Yoko Ono nach dem Ex-Beatle benennen durfte, ist seit Jahren eine der begehrtesten staatlichen Schulen in Berlin. Das führte mit den Jahren dazu, dass die meisten Schüler einen sehr guten Grundschul-Notenschnitt vorweisen müssen, um aufgenommen zu werden.

Für eines aber könne die Schule die Bitkom-Auszeichnung nicht erhalten haben, meint Wirtz. Die technische Ausstattung sei nämlich gar nicht so gut. Anders als andere prämierte Schulen habe man keine kompletten Tablet-Klassen – und auch keinen Glasfaseranschluss für schnelleres Internet. Hier baue er aber nun auf die neuen Kooperationspartner der Smart School – darunter auch die Telekom. Die könne doch für den Glasfaseranschluss sorgen, meint Wirtz. Keine Frage: Der Mann weiß, was er will.