Berlin - Digitale Personalvermittlung ist wie Online-Dating“, sagt Melikshah Ünver (im Foto links). Und er muss es wissen, denn 2014 war es noch eine Dating-App („Tinder für Türken“), die er und seine Kollegen Marcel Poelker und Mengühan Ünver entwickelt haben, heute verdienen sie ihr Geld mit einer Online-Jobvermittlungs-Plattform.

Taledo heißt das Berliner Start-up. Die Plattform richtet sich an Fach- und Führungskräfte ab 50 000 Euro brutto Jahresgehalt und an Unternehmen, die Mitarbeiter, vorwiegend in der Digitalbranche, suchen. Der Algorithmus von Taledo „matcht“ Bewerber und freie Stelle. Bewerber müssen sich dafür über die Website registrieren, ihren Lebenslauf hochladen, Präferenzen wie Jahreszielgehalt und Arbeitsort angeben. Unternehmen wiederum melden ihre freien Stellen. Taledo ermittelt, wer am besten zueinander passen könnte.

Das Unternehmen analysiert auch die öffentlichen Profile auf Linkedin und Xing

Dafür greift das Unternehmen auch auf externe Datenquellen zu, wie beispielsweise öffentliche Profile auf Linkedin und Xing, oder analysiert das Nutzerverhalten auf Taledo. Wird beispielsweise auf Anfragen schnell geantwortet, könne die Wahrscheinlichkeit als höher eingeschätzt werden, dass der Bewerber tatsächlich an einem Jobwechsel interessiert sei. Die passendsten Bewerber werden entweder an das Unternehmen weitervermittelt oder von Taledo selbst interviewt und ausgewählt.

Denn das persönliche Vorstellungsgespräch ist weiterhin vorgesehen. „Wir wollen nicht, dass Kunden und Bewerber ihre Job-Entscheidungen leichtfertig online treffen“, sagt Ünver. Auch das sei wie bei Tinder, „da heiratet man ja auch nicht gleich, nur weil man sich auf dem Bild gefällt.“ Je nach Vertragsmodell zahlt das Unternehmen für den Dienst eine monatliche Pauschale oder eine Kommission ab 15 Prozent des Jahreszielgehalts bei erfolgreicher Vermittlung.

Metro AG, Eon oder Circ: Taledo hat bereits große Kunden gewonnen

„Auch Bewerber profitieren“, sagt Ünver. „Einen Job zu finden, ist normalerweise extrem anstrengend“, sagt er. Zig verschiedene Anschreiben müssten verfasst werden: Wünscht sich das eine Unternehmen den Bewerbungsbogen per Mail, verlangt die andere Firma einen Poststempel. Selbst hochqualifizierte Leute würden daher häufig den ersten Job annehmen, der ihnen angeboten werde, glaubt Ünver. „Bei Taledo brauchst du zwei Minuten, um dich anzumelden, und stehst Hunderten potenziellen Arbeitgebern gegenüber.“ Mehr als tausend Unternehmen sind Kunden, darunter die Metro AG, Eon und das E-Scooter-Start-up Circ.

Demgegenüber stehen 80 000 registrierte Kandidaten. Auch Investoren glauben an das Modell: Einen mittleren siebenstelligen Betrag habe das Start-up seit Gründung 2017 eingesammelt. 

Die Branchen beschränken sich derzeit noch auf den Digitalbereich – IT, Marketing und Vertrieb. Aber schon bald sollen neue Berufszweige hinzukommen. „Demnächst werden wir auch Ärzte und Kliniken zusammenbringen“, verrät Ünver. Denn man wolle nicht nur in einer Nische bleiben, wie ehemals bei der Dating-App Alemsin à la Tinder für Türken. Die wurde eingestellt, die Zielgruppe war zu klein, um weiter zu wachsen.