Berlin - Die Zahl der Bankfilialen sinkt, die Digitalisierung der Geldinstitute schreitet dagegen voran. Allein in Berlin schließen seit 2014 pro Jahr etwa 30 Bankfilialen. Die Corona-Pandemie dürfte diese Entwicklung befeuern. Sicherlich: Viele Geldgeschäfte lassen sich auch online abwickeln. Wie aber verhält es sich mit Leistungen der Banken, die sich nicht digitalisieren lassen?

Die veränderten Marktbedingungen wirken sich auch auf die Anzahl der Schließfächer aus. Davon gibt es für Kunden immer weniger, weiß Julian Treidler. Der 31-Jährige hat zunächst eine klassische Bankausbildung durchlaufen, anschließend ein BWL-Studium absolviert. Er kennt die Prozesse des Bankwesens. Als Geschäftsführer der Firma Trisor möchte er das Problem mit den Bankschließfächern künftig lösen.

„Wir konzentrieren und auf das Element, was nicht digitalisiert werden kann: die physisch sichere Aufbewahrung“, sagt Treidler während der Ortsbegehung der Schließfachanlage an der Bachstraße im Tiergarten. Mit seinem Unternehmen hat Treidler dort einen vollautomatischen 24-Stunden-Hochsicherheitstresor errichtet, der Berliner Kunden ab sofort für ihre Wertgegenstände zur Verfügung steht.

Gold, Bargeld und Wertgüter: Es gibt genügend Gründe für ein Schließfach

Gold, Bargeld oder andere Wertgüter seien Gründe, warum man über ein Schließfach nachdenken sollte. Auch wichtige Papiere ließen sich in der Anlage im Tiergarten aufbewahren. „Ein Brand hier im Gebäude würde die Unterlagen nicht zerstören, auch Hochwasser kann dem Tresorraum nichts anhaben“, erklärt Treidler. 15 cm dick sind die Wände des Tresors, Sicherheitsklasse 10 KB. Das bedeutet, dass die Tresorwand mit einer speziellen Oberfläche ausgestattet ist, welche Bohrköpfe zerstört. Nur zwei Mal Pro Jahr wird die Tür zur Wartung geöffnet, ansonsten nicht.

Foto: Volkmar Otto
Julian Treidler ist Geschäftsführer von Trisor.

Für die tägliche Ausgabe der Wertgegenstände ist es nicht erforderlich, dass ein Mitarbeiter den Tresorraum betritt. Jeder Kunde kann rund um die Uhr etwas aus seinem Schließfach entnehmen oder hineinlegen. Dafür erfolgt ein dreistufiger Sicherheits-Check. An der Eingangstür steckt man die Karte in ein Lesegerät. Dieses prüft, ob man Kunde ist.

Ein Roboter bringt das Schließfach zum Kunden

Ein zweiter Check nach demselben Muster erfolgt an der Ausgabekabine, hier muss man als Kunde zusätzlich die eigene Geheimzahl eingeben. Im Inneren der Kabine muss man neben der Karte und der eigenen PIN auch den Fingerabdruck eingeben. Erst dann beginnt ein Roboter, das Schließfach zu holen. Mit einem kleinen Schlüssel schließt der Kunde das Schließfach dann auf.

Insgesamt habe man am Standort im Tiergarten 5044 Schließfächer. Aktuell sei bereits eine dreistellige Zahl vermietet. Kunden können zwischen drei verschiedenen Schließfachgrößen wählen: Modell S kostet 29 Euro pro Monat, Modell M 35 Euro und Modell L 55 Euro. Für die Registrierung vorab müssen einmalig etwa 50 Euro gezahlt werden.

Julian Treidler möchte das von den Banken unabhängige Geschäft mit den Schließfächern weiter ausbauen. „Wir wollen in den nächsten vier Jahren rund 20 weitere Standorte eröffnen und über 100.000 neue Schließfächer zur Verfügung stellen“, sagt er. In konkreter Bauplanung seien bereits Standorte in München, Hamburg und Düsseldorf.

In der Hauptstadt ist Treidlers Firma unterdessen nicht die Einzige, die sich des Themas annimmt. Auch das Berliner Unternehmen Asservato ermöglicht seinen Kunden fortan am Potsdamer Platz die Nutzung eines vollautomatisierten Schließfachs. Man wolle eine „traditionelle Aufbewahrungsart durch Digitalisierung in eine zeitgemäße und flexible Nutzenerfahrung überführen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Colin Solberg, Geschäftsführer bei Asservato ergänzt: „Wir grenzen uns mit unserem innovativen Angebot deutlich von Banken und Sparkassen ab.“ Ein Geschäftsmodell, durch das die Zahl der Bankfilialen weiter sinken dürfte.