Berlin - Herr Armstrong, mit dem BMW Guggenheim Lab schließen Sie sich an die Architekturvermittlungs-Tradition der Sommer-Universitäten an, in denen alle gemeinsam lernen und das Publikum mit einbeziehen. Warum?

Wir wollten Architektur und Stadtplanung in neuer, anderer Weise debattieren. Deswegen sind wir im letzten Jahr mit dem Guggenheim Lab auf die Straße gegangen, in diese schmale Baulücke im East Village. Die Menschen sollen Architektur und Planung, die Veränderung unserer Städte mitbestimmen können. Und wir haben uns gedacht: Warum nicht damit auf Reise gehen, als weltweites Studienprojekt? Deswegen nun die neun Standorte, von denen Berlin nach New York der zweite ist.

Berlin – warum nicht London, Paris oder Barcelona?

Berlin ist derzeit ohne Frage eine der kreativsten Städte, vielleicht sogar die kreativste Stadt weltweit. Und es ist ein historisch sehr wichtiger Ort für uns: Das Guggenheim-Museum ist ja eine entfernte Tochter des Bauhauses, dessen Leidenschaft für künstlerische Experimente Hilla von Rebay, die erste Direktorin des Museums, nach New York brachte. Dieses Museum, das so sehr mit New York und Amerika identifiziert wird, ist also im gewissen Sinn auch in Berlin sehr zu Hause.

Konnten Sie in New York schon einen Effekt des ersten BMW Guggenheim Labs für ihre Museumsarbeit feststellen?

Das Museum wurde demokratisiert. Wir mussten aus dem Weißen Haus an der Fifth Avenue, das in einer sehr reichen Umgebung steht, herauskommen und uns mit einem anderen, viel gemischteren Viertel auseinandersetzen, mit seinen Bewohnern, deren Fragen, deren Interessen. 56 000 Menschen haben an den Programmen teilgenommen. Der Ort ist nun zu einem dauerhaften Kunst-Park geworden, der gemeinsam von den Anwohnern und der Stadt unterhalten wird. Ich denke, die Menschen haben das Lab als eine Art Nachbarschaftszentrum benutzt, als Ort, wo man sich austauschen und einfach einmal kreativ sein konnte.

Die Debatten in Berlin waren im Vorfeld nicht besonders nachbarschaftlich...

Hier gibt es ein ganz anderes Bewusstsein für die Bedeutung von öffentlicher Verantwortung. Deswegen haben wir ja das Programm über die Gentrifizierung eingebaut. Die Leute sind sicher auch interessierter an Fragen des urbanen Designs als in New York. Es wird hier also mehr um Zusammenarbeit gehen als um Vorträge und Vorführungen. Deswegen werden die mehr als 100 Veranstaltungen auch ins Internet gestellt. Wir wollen eine Reise unternehmen, bei der wir nicht wissen, wo genau sie enden wird – im besten Falle endet sie gar nicht.

Und in Mumbai?

Wir können nichts vorhersagen – (lacht) – wie wir ja gerade in Berlin gelernt haben. Aber ich denke, in Mumbai wird das Guggenheim Lab mehr ein Ort des Studiums und des Erklärens werden. Es gibt dort keinen einzigen vergleichbaren Ort. Und sie haben keinen wirklichen Kontakt mit zeitgenössischer Architektur und Stadtplanung. Wir werden in dieser Stadt mit 20 Millionen Einwohnern versuchen, ein sehr vielschichtiges Publikum anzusprechen. Das ist eine große Herausforderung.

Wo in Mumbai soll das Guggenheim Lab aufgestellt werden?

Wir sind in den letzten Verhandlungen, um das Lab in der Nähe des Zoos aufzustellen, neben dem wunderbaren alten Victoria & Albert Museum mit seinen Kunstgewerbe- und Techniksammlungen. Hier kommen am Wochenende Tausende von Familien und Kindern, die sich erholen und spielen wollen. Und wir werden Satelliten in der Stadt aufbauen, um möglichst viele Menschen an einer weltweiten Debatte zu beteiligen. Diese Idee einer mobilen Universität liegt uns in Mumbai sehr am Herzen.

Das Gespräch führte Nikolaus Bernau.