Berlin - Eine 16-jährige Schülerin hat am Donnerstag einen Lehrer der Friedrich-Bayer-Oberschule in Steglitz angezeigt, weil dieser sie rassistisch beleidigt haben soll. Der 63-jährige Lehrer soll am Montag diskriminierend über die dunkle Hautfarbe des Mädchens gesprochen haben. Als sich die Zehntklässlerin das verbat, soll der Lehrer das Schimpfwort „Nigger“ groß an die Tafel geschrieben haben und es anschließend auf dem Flur vor mehreren Schülern wiederholt haben. Das teilte die Polizei am Freitag mit.

Spricht man selbst mit der Schülerin, wird deutlich, wie verunsichert und verletzt die Schülersprecherin der Schule noch immer ist. Nach ihren Angaben soll der Lehrer auch gesagt haben, dass „Nigger“ Glück haben, Menschen zu sein. Der polizeiliche Staatsschutz hat inzwischen die Ermittlungen aufgenommen. Geprüft werden noch weitere Vorwürfe von Schülern, die auch als Zeugen befragt werden.

Teils widersprüchliche Zeugenaussagen

Solcherlei Vorwürfe gegen den Lehrer sind nicht neu: Bereits vor zwölf Jahren wurde ihm am Gymnasium Steglitz der Vorwurf gemacht, rechtsradikale Ansichten zu vertreten und den Holocaust zu verharmlosen. Damals engagierte sich sogar eine Elterninitiative „Politisches Denken“ in dieser Angelegenheit, die zeitweise auch von Günther Jauch unterstützt wurde. Der TV-Moderator hatte zu dieser Zeit ein Kind an dem Gymnasium. Der umstrittene Geschichtslehrer wurde schließlich im Dezember 2000 suspendiert.

Wenig später eröffnete die Schulverwaltung ein Disziplinarverfahren mit dem Ziel, den Lehrer aus dem Schuldienst zu entfernen. Ihm wurde auch vorgeworfen, die damalige Ausstellung über die Verbrechen der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg kritisiert zu haben. Allerdings äußerten sich Zeugen teils widersprüchlich. Laut Ermittlungsakten soll der Pädagoge bereits 1994 das Vernichtungslager Auschwitz als eher ein Arbeitslager bezeichnet haben. Der Geschichtslehrer klagte gegen seine Suspendierung und erwirkte vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) im Jahr 2007 seine Wiedereinstellung. Der Vorwurf der Holocaust-Leugnung wurde nicht mehr erhoben, aber er habe als Geschichtslehrer seinen Bildungsauftrag verletzt, urteilten die Richter.

Schulverwaltung will Aufklärung

An die Friedrich-Bayer-Schule war der Geschichtslehrer erst vor gut zwei Wochen gekommen, als Vertretungslehrer. Seit ihrer Fusion mit der Thienemann-Schule heißt die Schule offiziell 7. Integrierte Sekundarschule. Am Tag nach dem Vorfall meldete sich der Lehrer krank, erschien danach aber wieder in der Schule. Gegenüber der Schulverwaltung, die von der Berliner Zeitung informiert worden war, stellte die Schulleitung den Vorfall zunächst als nicht so schwerwiegend dar.

Weder Polizei noch Schulaufsicht waren eingeschaltet worden, erst durch die Anzeige des Mädchens kam nun Bewegung in die Angelegenheit. „Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst und wollen Aufklärung“, hieß es bei der Bildungsverwaltung. Der Lehrer selbst war am Freitag auf Anfrage nicht zu erreichen. Dem Vernehmen nach bestreitet er aber, sich rassistisch geäußert zu haben.