Berlin - Der rüpelige Zoo- und Tierparkchef ist mal wieder mit einem blauen Auge davongekommen: Drei Tage nach Bekanntwerden der jüngsten Entgleisungen von Bernhard Blaszkiewitz hat sich das eilig einberufene Aufsichtsratspräsidium der Zoologischer Garten AG nicht zu deutlichen Sanktionen gegen den 58-jährigen Biologen durchringen können.

Stattdessen verdonnerte das dreiköpfige Gremium den Direktor, sich am Dienstag schriftlich bei der Belegschaft von Zoo und Tierpark zu entschuldigen. In einer Erklärung am Montagabend teilte das Präsidium mit, man werde dem Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft zudem empfehlen, in Zoo und Tierpark die Stelle einer Gleichstellungsbeauftragten zu schaffen und einen externen Vertrauensanwalt zu installieren.

Viele Negativ-Schlagzeilen in der Vergangenheit

Aufsichtsratsvorsitzender Frank Bruckmann, der eigentlich Chef der Berliner Wasserbetriebe ist, erklärte nach mehr als dreistündiger Befragung von Mitgliedern des Tierparkbetriebsrates und von Blaszkiewitz: „Es wird eine Anwaltskanzlei beauftragt, die vorgetragenen Punkte einer juristischen Würdigung zu unterziehen.“ Was darunter zu verstehen ist, ob es dabei um mögliche arbeitsrechtliche Konsequenzen für den Zoochef geht, blieb offen.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass Blaszkiewitz die Frauen in seinem Unternehmen als 0,1 bezeichnet – entsprechend der offiziellen Benennung von weiblichen Zuchttieren durch Zoologen. Diese chauvinistische Bezeichnung brachte ihm dieses Mal Kritik von höchster Stelle ein – Frauensenatorin Dilek Kolat (SPD) erklärte, Blaszkiewitz habe sich „als Führungskraft disqualifiziert“, Regierungssprecher Richard Meng geißelte sein Gebaren als „fehl am Platz“.

Insgeheim hatten etliche Mitarbeiter gehofft, dass der jüngste Vorfall das Fass zum Überlaufen bringen und der Zoo- und Tierparkdirektor seinen Hut nehmen muss. Schon mehrfach hatte der gebürtige Tempelhofer in den vergangenen Jahren für negative Schlagzeilen gesorgt – unter anderem, weil ihn die vielen Knut-Besucher nervten, weil er vor den Augen erschrockener Mitarbeiter vier kleine Katzen im Tierpark getötet hatte oder weil er wegen Geschäften mit einem dubiosen Tierhändler angezeigt und deshalb ins Abgeordnetenhaus vor einen Untersuchungsausschuss zitiert wurde.

Erst am vergangenen Mittwoch hatte er sich auf einer Betriebsversammlung im Tierpark über Weihnachtsgeldzahlungen an die Mitarbeiter beklagt. „Die meisten sind unchristlich und dürften gar kein Weihnachtsgeld annehmen“, pöbelte er. Während einer Debatte um fehlende Leitbilder für Tierpfleger hatte er erklärt, dass er selbst das Leitbild sei. „Wer was wissen will, kann mich fragen.“ Der Auftritt hatte für große Empörung unter den 100 anwesenden Mitarbeitern gesorgt.

Frauensenatorin Kolat zufrieden

Vor der Erklärung des Aufsichtsratspräsidiums hatte es viele Vermutungen über mögliche Sanktionen gegeben: Sie reichten von einer Ermahnung Blaszkiewitz’ bis zur sofortigen Beurlaubung. Frauensenatorin Dilek Kolat zeigte sich am Abend leidlich zufrieden: „Ich begrüße, dass der Aufsichtsrat schnell diesen Diskriminierungsfall aufgegriffen hat. Eine Entschuldigung bei den Mitarbeiterinnen und die Einführung einer Gleichstellungsbeauftragten sind das Mindeste.

Ich werde aufmerksam verfolgen, wie Herr B. sich zukünftig verhält oder öffentlich äußert.“ Thomas Ziolko, Chef der Gemeinschaft der Förderer von Zoo und Tierpark, sagte, „eine Entschuldigung von Blaszkiewitz bei den Mitarbeitern ist überfällig“. Er vertraut darauf, dass der Aufsichtsrat „sämtliche Vorkommnisse in der Zusammenarbeit mit Blaszkiewitz“ aufklärt.