Potsdam - Silvester ist schon fast vergessen, nicht aber die guten Vorsätze. Viele Berliner und auch Brandenburger haben noch die wilde Knallerei im Ohr, aber auch die Debatte, dass Berlin doch eigentlich bereits in der Silvesternacht 2018 die große private Knallerei verbieten wollte. Nun geht die Diskussion weiter – und sie wird wohl so schnell nicht enden, denn die Deutsche Umwelthilfe droht schon mal an, gegen Städte wie Berlin notfalls zu klagen, wenn sie die Knallerei nicht einschränken oder verbieten.

Gleich mehrere Fälle zeigen, wie aktuell die Debatte ist: Zum einen beklagen sich Pferdehalter über Fälle, bei denen Pferde durch die Knallerei getötet wurden, andererseits gibt es in der Landeshauptstadt Potsdam die Überlegung, mit einem Böllerverbot voranzugehen.

Todesfälle in gleich zwei Pferdeställen sorgen im Berliner Umland für Diskussionen. In der Berliner Stadtrandsiedlung Malchow waren in der Silvesternacht zwei Ställe abgebrannt. In den Flammen starben zwei Pferde, die 11 und 24 Jahre alt waren. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts auf Brandstiftung. Besitzer Guido H. geht von einem Böller oder einer Rakete aus, die den Holzverschlag entzündeten.

Knaller sorgen bei Tieren für Stress

In Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) starb in der Nacht ein sechs Monate altes Fohlen an den Folgen der Knallerei. Da ist sich die Besitzerin Janett Wittig-Kretzulesco sicher. Das Jungtier hatte eine Stunde nach Mitternacht eine Stresskolik erlitten, sagte die 37-Jährige. „Die Belastung durch den Lärm war zu groß. Das Fohlen hatte Stresshusten. Es legte sich immer wieder auf den Boden“, sagte Wittig-Kretzulesco. Das Tier verendete wenige Stunden später beim Einleiten der Narkose im Operationssaal einer Klinik. Die Besitzerin macht auch die Ignoranz einiger Anwohner für den Tod des Tieres verantwortlich.

Nachbarn hatten Pyrotechnik etwa 30 bis 40 Meter neben den Pferden gezündet – und das, obwohl bereits in der Silvesternacht des Jahres davor ein Friesen-Wallach ums Leben gekommen war. Wegen der Knallerei in direkter Nähe waren mehrere Pferde in Panik geraten. Sie standen sehr dicht beieinander, weil ihnen der Herdenverband Sicherheit vermittelt. Dabei stolperte der Wallach und brach sich das rechte Hinterbein. Das Tier musste eingeschläfert werden. „Deshalb hatten wir vor dem letzten Silvester das Gespräch mit den Nachbarn gesucht. Doch die sind wohl nicht zu sensibilisieren“, sagt Janett Wittig-Kretzulesco. Die Reitlehrerin fordert ein Böllerverbot für Privatpersonen. „Der Gesetzgeber muss reagieren.“ Auch eine Reitfreundin habe ein Pferd verloren, das durch die Knallerei einen Herzinfarkt erlitt.

Punktuelles Feuerwerksverbot möglich

In Potsdam wird nun über Konsequenzen aus der Silvesternacht nachgedacht, dort mussten drei Leuten Finger amputiert werden, zwei Frauen wurden durch Knaller schwer an den Augen verletzt.

„Wir denken über punktuelle Verbote der Knallerei in der Stadt nach“, sagte Stadtsprecher Jan Brunzlow. Dazu werde nun ein sogenanntes Meinungsbild erstellt. Gemeint ist, dass alle zuständigen Stellen der Stadtverwaltung – von der Denkmalpflege bis zum Umweltschutz – sowie die stadteigenen Unternehmen befragt werden, wie hoch die Belastung und auch die Schäden waren.

Dann werde „sachlich und fachlich“ abgewogen, wie sinnvoll ein punktuelles Böllerverbot wäre. „Wir schauen uns die Sache ernsthaft an“, sagte Brunzlow. Den Stadtverordneten werde ein Vorschlag unterbreitet, der müsste dann debattiert werden um zu entscheiden, ob es ein Verbot an einzelnen Stellen geben sollte.

Die Idee gab es immer wieder, doch sie wurde in Potsdam bislang nicht durchgesetzt. Auch derzeit gibt es ablehnende Stimmen aus den einzelnen Fraktionen des Stadtparlaments. So hält beispielsweise SPD-Fraktionschef Peter Heuer ein generelles Knallerverbot in der gesamten Stadt für nicht sinnvoll. „Silvester ohne Feuerwerk ist wie Weihnachten ohne Weihnachtsbaum“, sagt er.

Mehr Licht, weniger Lärm

Aber auch die Sache mit punktuellen Verboten bringe nicht viel. „So etwas ist einfach nicht durchsetzbar und kontrollierbar“, sagt er. „Ordnungsamt und Polizei haben in der Silvesternacht andere Aufgaben, als rauszubekommen, wer einen Knaller geworfen hat.“

Für Heuer wäre es viel sinnvoller, wenn nicht einzelnen Städte handeln, sondern der Bund mit Verkaufsverboten und Auflagen für die Hersteller gegen die besonders lauten Böller vorgeht. „Eine technische Lärmbegrenzung wäre gut, damit man diese harten Donnerschläge nicht mehr hat“, sagt er. Die Hersteller sollten auch viel mehr auf optische Feuerwerke setzten. Das Motto wäre: mehr Licht, Farbeffekte und Glimmer am Himmel, aber dafür weniger Lärm.