Es war keine gewöhnliche Arbeitssitzung der Flughafen-Gesellschafterversammlung, die am Mittwochabend im Potsdamer Finanzministerium stattfand. Es war der Versuch der Landesregierungen in Brandenburg und Berlin, den wahlkämpfenden Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zur Räson zu bringen, zumindest für einen Abend. Nach vier Jahren im Amt hatte der festgestellt, dass Berlin neben dem BER dringend einen zweiten Flughafen brauche: Tegel.

Das tat er auch öffentlich kund, zum wohlkalkulierten Ärger der SPD-geführten Landesregierungen. Es kam in Potsdam dann so, wie es abzusehen war: Der Versuch misslang.

Dobrindt ließ sich seinen Auftritt nicht nur nicht nehmen. Er kostete ihn aus. Zehn Minuten vor Beginn der Sitzung hielt seine Limousine vor dem Ministerium. Und stand. Und stand. Als unter den Journalisten Zweifel aufkamen, ob Dobrindt sich überhaupt im Fahrzeug befände, entstieg er dem Fond - und nahm sich ausgiebig Zeit für Fragen. Derweil ließ er Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke), Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD), Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup und den Aufsichtsratsvorsitzenden Rainer Bretschneider warten.

Gemeinsamer Wille reicht nicht

Dobrindt lobte Berlin in blumigen Worten. Es sei eine attraktive Metropole, die Menschen aus aller Welt besuchen wollten. Und so käme es eben, dass viel mehr Menschen die Berliner Flughäfen benutzen als prognostiziert. „Es stimmt, wir haben als Gesellschafter vor mehr als 20 Jahren beschlossen haben, Tegel zu schließen“, sagte Dobrindt. „Aber heute haben wir eine völlig andere Situation. Und ich glaube, dass wir diesen Beschluss gemeinsam ändern können.“

Ein gemeinsamer Wille reiche nicht ganz, räumte der Minister ein. Rechtliche Zweifel müssten ausgeräumt, Kostenfragen beantwortet werden. Dass sein Vorstoß Anfang Juli, nach dem Ja der Berliner CDU zur Tegel-Offenhaltung, wahltaktische Gründe haben könnte, wies er zurück. „Die gestiegenen Passagierzahlen haben nichts mit der Bundestagswahl zu tun.“ Die steigen allerdings seit Jahren, die Planungen für den BER sind auch schon lange bekannt – warum Dobrindt erst jetzt aufgefallen ist, dass es zu Engpässen kommen könnte, konnte er nicht so recht sagen.

In der Sitzung, die mit einer halben Stunde Verspätung begann, wollten Görke und Kollatz-Ahnen ihm erklären, dass sie nicht bereit sind, die rechtlichen und finanziellen Risiken eines Weiterbetriebs in Tegel zu tragen. Was daraus wurde, war bis zum späten Abend noch nicht bekannt. Mit einem einvernehmlichen Ende war aber nicht zu rechnen.