Velten Doering (35) reist als Techno-DJ Dirty Doering um die Welt. Begonnen hat er in Clubs wie Sternradio, Watergate, Tresor. Nun ist er Resident DJ im Kater Holzig und betreibt das Label Katermukke.

Seit wann legen Sie Techno auf?

Mit 15 fing ich an, in Clubs zu gehen, LPs zu kaufen und mit einem Freund zu Hause aufzulegen. Damals hatten wir zwei Plattenspieler mit Riemenantrieb. Die Dinger waren eine Katastrophe. Schon damals habe ich mir geschworen, dass ich mit zwei vernünftigen Plattenspielern nach Berlin ziehe. Das habe ich sechs Jahre später geschafft.

Was hat Sie dazu bewogen, nach Berlin zu gehen?

Wäre ich in Baden-Baden geblieben, würde ich nicht machen, was ich mache. Mich zog es schon in der Jugend nach Berlin. Ich war hier oft in Clubs unterwegs.

Wie haben Sie es geschafft, sich in der Berliner DJ-Szene zu etablieren?

Ich war ständig tanzen, im Ostgut und Sternradio. Damals, 1999, gingen Partys nur bis Sonntagnachmittag, nicht bis Montag. Also sind wir regelmäßig mit rund 20 Leuten in meine Wohnung gegangen. Dort habe ich noch ein paar Stunden aufgelegt. Ich lernte viele Leute kennen, die selber Partys veranstalteten. Die fragten zunehmend, ob ich auflegen möchte. Dann wurde ich Resident DJ im Sternradio. Seit 2004 verdiene ich mit dem Auflegen Geld.

Wie hat sich die Berliner Techno-Szene seither entwickelt?

Damals war sie überschaubar. Inzwischen gibt es viel mehr Party-Touristen. In der Bar25 etwa war es anfangs alternativ, familiär. Aber es spricht sich schnell rum, wenn ein Club cool ist. Daher ist es schwierig, ein Geheimtipp zu bleiben.

Was ist das Besondere am Techno-Standort Berlin?

Nach dem Mauerfall ist Techno explodiert. Man tat sich zusammen, suchte Räume, feierte Partys ohne Genehmigung. Zu dieser Zeit hat sich eine alternative Szene entwickelt, die es teils noch heute gibt. In Frankfurt oder München ist das nicht so. Der Eintritt ist teurer, die VIP-Räume größer. In Berlin hingegen trifft man die DJs oft an der Bar, man begegnet sich auf Augenhöhe.

Wo spielen Sie in Berlin am liebsten?

Im Kater Holzig, aber auch im Sisyphos und in der Wilden Renate.

Mittlerweile füllen DJs Stadien. Wie weit kann der Hype noch gehen?

Scooter ist ja schon seit 15 Jahren Exportschlager und füllt ganze Stadien. Paul Kalkbrenner hat diesen Status auch erreicht, David Guetta sowieso. Es ist nicht mein Ding, aber schlimm finde ich das auch nicht. Aber je größer die Bühne, desto schneller muss die Musik sein. Man muss schon über 120 Beats pro Minute spielen, damit die Leute erreicht werden. Darunter leiden teilweise das Feeling und die Seele der Lieder.

Ist der Zenit von elektronischer Musik schon erreicht?

Ganz sicher nicht. Deep House ist größer denn je, ein Ende nicht in Sicht. Außerdem hat die elektronische Musik auch andere Bereiche übernommen. Auch HipHop, Dancehall und Mainstream-Pop sind komplett elektronisch produziert.

Westbam sagte kürzlich, die Szene nehme zu wenig Drogen, alles sei ein wenig fad geworden.

Eine sehr spezielle Sicht von jemandem, der Ende 40 ist und selbst nicht mehr ausgeht. Aber wenn man Kokain nicht hinzuzählt, könnte er recht haben. Ich muss zum Beispiel immer trinken, wenn ich auflege. Wenn das in Clubs verboten werden sollte, mache ich nicht mehr mit.

Interview: André Tucic

Dirty Doering: Nächste Auftritte 3.10. und 18.10., Kater Holzig, Michaelkirchstr. 23