Das Wasser tropft von der Decke. Eine Kamera begleitet eine verzweifelt wirkende Frau in ihrer angemieteten Wohnung von einem Zimmer ins nächste. Auch im nächsten Zimmer: Wasserschaden. Im Hintergrund hört man lautes Hämmern und Bohren.

Die Frau erklärt dem herbeigerufenen Feuerwehrmann, warum das so ist: Das Haus, in dem sich ihre Wohnung befindet, wird kernsaniert, die Bauarbeiter haben wohl ein Rohr beschädigt. „Ich zahle meine Miete, ich habe ein Recht auf eine unversehrte Wohnung“, sagt sie zum Feuerwehrmann. Er zuckt mit den Schultern, sagt, dass er versuchen werde, das Problem zu lösen, fügt aber hinzu, dass er nicht viel machen könne, denn das ganze Haus sei ja eine Baustelle. Schnitt.

Wie vollzieht sich eine solche Veränderung?

Vier Jahre lang war der Dokumentarfilmer Andreas Wilcke mit einem Stativ und Kamera unterwegs in Berlin. Er wollte verstehen, wohin sich die Stadt entwickelt. Der 41-Jährige wohnt seit 1991 in Berlin, die längste Zeit davon in Friedrichshain. „Ich habe miterlebt, wie sich der Boxhagener Kiez verändert hat. Aus alten Gewerbehöfen wurden schicke Lofts, dort, wo früher Tante- Emma-Läden waren, haben neue Sushi-Läden eröffnet. Viele Menschen waren gezwungen, ihre Wohnungen zu verlassen, das alles habe ich mitgekriegt.“ Wilcke sieht die berühmte Berliner Mischung, das gemeinsame Leben von Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten, in Gefahr.

Wie konnte das passieren? Und wie vollzieht sich die Veränderung der Stadt? Das waren die Fragen, die er sich gestellt hat. „Ich musste Protagonisten finden, die dabei helfen, das Thema in allen Facetten zu erfassen.“ Deswegen hat er Immobilienmakler bei ihrer Arbeit begleitet, Diskussionsrunden mit Anwohnern und Politikern gefilmt, mit Mietern gesprochen, die fürchten, sich nach der Sanierung ihre Wohnung nicht mehr leisten zu können. Er hat Kaufinteressenten auf einer Messe begleitet, bei der es darum ging, wo sich in Berlin noch Schnäppchen machen lassen.

Gegensätzliche Interessen von Mietern und Investoren

Dabei sieht man im Film, wie ein Immobilienmakler bei einer Veranstaltung im Hotel Maritim dem Publikum erklärt, warum es lukrativ sein könnte, in eine Immobilie in Neukölln zu investieren. In dieser Lage würde die Neuvermietung einer Wohnung eine hohe Rendite sichern, selbst, wenn an der Wohnung nichts gemacht werden würde, sagt er. Und wenn man investiere, einen Maler in die Wohnung hineinschicken würde, hier und da was ausbessern oder eine Heizung einbauen würde, dann könnte man deutlich mehr Miete verlangen.

Regisseur Wilcke hat sich dazu entschieden, nicht einzelne Geschichtsstränge, beispielsweise die Kernsanierung eines Hauses, von Anfang bis zum Ende zu erzählen, sondern episodenhaft Momente aneinanderzureihen.

„Der Film – und das ist vielleicht eine Plattitüde – wirft mehr Fragen auf, als dass er in der Lage ist, Antworten zu liefern“, sagt Wilcke selbst. Diese Ambivalenz ist aber genau das, was den Film sehenswert macht, er kommt ohne moralischen Zeigefinger daher, es gibt hier keine Engel und keine Teufel. Vielmehr schafft es der Film, die komplexe Wohnmarktsituation Berlins in ihrer Widersprüchlichkeit widerzuspiegeln. Es werden unterschiedliche Perspektiven untersucht und Logiken herausgearbeitet. Die Interessen von Mietern und Investoren prallen oft gegeneinander.

Keine Antworten von Politikern

Wer aber kann Kompromisse herstellen? Das ist die Aufgabe der Politik, eigentlich. Verschiedene Bezirkspolitiker und auch der damalige Senator für Stadtentwicklung, Michael Müller (SPD), der später zum Regierenden Bürgermeister aufstieg, kommen in der Dokumentation zu Wort.

Ihre Aussagen liefern keine Antworten auf die Frage, wie die Berliner Mischung im Innenstadtbereich zu retten ist. Sie sagen, dass Mietsteigerungen nicht völlig zu verhindern sind, sondern bestimmte Maßnahmen nur dämpfend wirken können. „Befriedigend ist das nicht“, sagt Michael Müller in einem Ausschnitt des Films auf einem Podium, auf dem es um Wohnungspolitik geht.

Was die Dokumentation ebenso aufzeigt, ist die Entpersönlichung der Sprache: Einige Makler reden nicht von Wohnungen, lieber sagen sie Einheiten. Ebenso wird das Wort Familie gemieden, lieber spricht man von „Double Income, one kid“. Mit dieser Sprache wird es vielleicht einfacher, Kaufinteressenten Mietshäuser anzupreisen. Von möglichen unangenehmen Begleitumständen, die ein Hausverkauf für die Mieter mit sich bringen kann, ist lieber nicht die Rede.