Berlin - Dass es sich mit Menschen in der U2 am Morgen gern mal verhält wie mit Ölsardienen in ihrer Dose, ist keine Neuigkeit. Des Öfteren stellte sich schon die Frage, wann es auch Zeit sei für U-Bahn-Quetscher, wie jene, die man aus Internet-Videos aus Japan kennt. Der Donnerstagmorgen jedoch toppte den ganz normalen Berliner U-Bahn-Wahnsinn noch.

Bereits bei der Ankunft am U2-Bahnsteig am Alexanderplatz bleibt nichts weiter übrig, als sich hinten anzustellen. Die Menschenmassen lassen schon erahnen, dass der Zug in vier Minuten nicht der sein wird, den ich zur Arbeit nehme.

Krieg am U-Bahnhof Alexanderplatz

Ein Zug sei gegen 8 Uhr am U-Bahnhof Deutsche Oper Richtung Pankow liegen geblieben, heißt es bei Twitter. Um 8.48 Uhr herrscht Krieg am U-Bahnhof Alexanderplatz.

Als der erste Zug einfährt, bilden sich die bekannten Trauben um die Türen. Gefühlt steigen für drei Aussteigende, die sich durch die Massen kämpfen müssen, fünf ein. Und trotzdem bleibt ein Großteil der Reisenden an diesem Morgen vorerst zurück.

Wo ein Körper ist, kann kein zweiter sein

Immerhin kommen die Bahnen nun im Minutentakt, doch spucken sie nicht ausreichend Menschen aus, um alle Wartenden aufzunehmen. Es ist fast 9 Uhr. Die meisten der Gestrandeten wollen wahrscheinlich spätestens jetzt bei der Arbeit sein und werden ungehalten. Es wird gestöhnt und gemotzt: „Es kann doch nicht so schwer sein, ein bisschen durchzurücken?!“

Kann es leider doch. Denn wo ein Körper ist, kann kein zweiter sein. Auch die dritte Bahn ist voll, nachdem sich mit Drängen und Ellenbogeneinsatz die Stärksten und Eiligsten hineingedrückt haben. Erst Zug vier verspricht schon bei der Einfahrt ein paar Lücken zwischen den Passagieren, und es macht sich freudige Erregung am Bahnsteig breit.

Menschen drücken sich aus der Bahn und so viele wie möglich hinein. Ob es alle waren? Ich weiß es nicht. Ich schaue nicht zurück, verkeile mich zwischen meinen Mitreisenden, um nicht umzufallen, und beschließe, morgen lieber wieder mit dem Rad zu fahren - trotz Kälte.