Doppelmord-Prozess: Verteidiger unterstellt Gutachter Befangenheit

Der Prozess gegen den Todesschützen von Berlin zieht sich wegen eines Gutachter-Streits weiter hin. Das Verfahren geht frühestens Mitte August zu Ende. Am Donnerstag lehnte die Verteidigung des mutmaßlichen Doppelmörders den Gutachter Norbert Konrads als befangen ab. Der Sachverständige sei voreingenommen gegenüber dem Angeklagten, argumentierte die Verteidigung vor dem Berliner Landgericht. Das Gericht will die Stellungnahme des Gutachters einholen.

Vor einem Jahr hatte der aus der Türkei stammende Aushilfskellner in der Kolberger Straße im Wedding auf das Auto gefeuert, in dem seine geschiedene Frau und ihre Familie saßen. Die 25-Jährige überlebte. Ihre Mutter und eine 22-jährige Schwester starben. Der inzwischen 26-jährige Angeklagte hatte die Schüsse gestanden. Er sagte aber, er habe nicht töten wollen. Er habe sehr unter der Trennung gelitten und dann mit der Frau reden wollen, hatte er ausgesagt. Er hatte auch von einer Frauenstimme gesprochen, die sagte, „Halt den Wagen auf, sonst wirst du die Frau nie mehr sehen“.

Angeklagtem droht lebenslange Haft

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits Ende Juni eine lebenslange Haft wegen kaltblütigen Doppelmordes aus Hass und Rache für die Scheidung gefordert. Anklägerin Heike Hagedorn beantragte auch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Hagedorn stützte sich auf jetzt kritisierte Gutachten.

Danach rückte die Frage der Schuldfähigkeit ins Zentrum des Prozesses. Der von der Verteidigung beauftragte Psychiater Karl Kreutzberg bescheinigte dem Angeklagten Schuldunfähigkeit aufgrund einer psychotischen Ausnahmesituation bei der Schussabgabe und befürwortete die Unterbringung in der Psychiatrie.

Gutachter Konrad habe keinen Zugang zum Angeklagten finden können oder wollen, argumentierte Anwältin Ria Halbritter. „Dem Sachverständigen geht es nicht um die fachlich richtige Einordnung der unstreitig vorliegenden psychischen Störung, sondern allein um die Verteidigung seiner Diagnose“, erklärte Halbritter.

Der Prozess wird am 14. August fortgesetzt.