Im kommenden Jahr sollen die ersten neuen Doppeldecker der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) durch die Stadt fahren. Und es könnte sein, dass sie nicht nur Bus-Experten, sondern auch anderen Berlinern auffallen werden. Denn die künftige Generation von Doppelstockbussen wird anders aussehen als die jetzige. Die neuen Fahrzeuge sollen deutlich kürzer sein, ein Drittel weniger Platz für Fahrgäste sowie vielleicht nur noch eine Treppe haben. Dadurch will die BVG Geld sparen. „Wichtig sind für uns niedrigere Kosten und dass die neuen Busse zu ihren Einsatzbereichen gut passen“, sagte Bus-Chef Martin Koller der Berliner Zeitung.

So viel steht fest: „Auch künftig werden Doppeldeckerbusse einen großen Teil des Busverkehrs in Berlin bewältigen“, so Koller. Das habe nicht nur damit zu tun, dass sie bei Fahrgästen beliebt sind und verhältnismäßig viele Sitzplätze bieten. Auf vielen Linien in den Westbezirken seien die Haltestellenbuchten für Gelenkbusse, die in puncto Kapazität mit den Doppelstöckern vergleichbar sind, zu kurz. „Die BVG wird diese Busse nicht abschaffen. Ganz im Gegenteil: Es ist absehbar, dass die Zahl der Doppeldecker in den kommenden Jahren zunehmen wird“, versicherte der Ingenieur.

Allerdings fällt der Zuwachs geringer aus als einst geplant. Die Pläne, die Zahl der „Großen Gelben“, die einst mehr als 1100 betrug, wieder auf 600 bis 700 aufzustocken, sind längst vom Tisch – unter anderem deshalb, weil Doppeldecker teurer sind als Standardbusse. Koller: „Derzeit hat die BVG 415 Doppeldeckerbusse, wahrscheinlich werden wir langfristig mindestens 450 brauchen, möglicherweise noch mehr. Wie viele es werden, wird von unseren weiteren Untersuchungen und Wirtschaftlichkeitsanalysen abhängen.“ Die BVG besitzt mehr als 1 300 Busse.

90 statt 128 Fahrgäste

„Wir haben damit begonnen, den Kauf der nächsten Doppeldecker-Generation vorzubereiten. In der ersten Stufe des Verfahrens, in der es um zwei Prototypen geht, haben sich fünf Hersteller aus verschiedenen Ländern gemeldet“, so Koller.

Die Vorgaben sind nicht besonders eng, doch klar ist: Während die jetzigen Doppeldecker drei Achsen aufweisen, sollen die neuen Busse nur zwei haben. Das macht nicht nur die Anschaffung billiger, sondern spart auch Gewicht, Verschleiß und der BVG Betriebskosten. Koller: „Unser Ziel ist es, dass die neuen Doppeldecker kleiner ausfallen als die jetzigen. Auf vielen Buslinien brauchen wir nicht so große Busse, wie sie derzeit im Einsatz sind“ – 13,70 Meter lang, mit 83 Sitz- und 45 Stehplätzen für insgesamt 128 Fahrgäste sowie zwei Treppen.

„Für zahlreiche Strecken würden Zweiachser ausreichen, die 10 bis 12 Meter lang sind, Platz für rund 90 Fahrgäste haben und vielleicht sogar mit einer einzigen Treppe in der Mitte auskommen“, so der BVG-Manager. „Wie die Busse am Ende im Detail aussehen werden, wird sich aber erst im Verlauf des Vergabeverfahrens endgültig klären.“

Wenn das Verfahren so weitergeht, wie es sich die BVG vorstellt, sollen im kommenden Jahr zwei Prototypen geliefert werden. Dann soll der Praxistest beginnen – mit Linieneinsätzen, bei denen auch die Fahrgäste die neuen Doppeldecker kennenlernen werden. 2017 oder 2018 soll die Serienlieferung beginnen.

Nur eine Treppe aufs Oberdeck

Dass die Busse kürzer und kleiner ausfallen, findet Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB nicht problematisch. „So lange sie auf Buslinien eingesetzt werden, auf denen es nicht so viele Fahrgäste gibt, wäre das okay“, sagte er. Allerdings müsse es auch in Zukunft noch große Doppeldeckerbusse geben.

In Senatskreisen hieß es, die Kapazitätssenkung passe nicht zu dem Trend, der auf zahlreichen Berliner Nahverkehrsstrecken zu verzeichnen ist: Vielerorts nehmen die Fahrgastzahlen zu, stehen immer mehr Menschen an den Haltestellen. Skeptisch sieht man auch, dass die neuen Doppeldecker nur noch eine Treppe zum Oberdeck haben sollen. Das könnte dazu führen, dass sich ein- und aussteigende Fahrgäste in die Quere kommen und die Busse länger an den Haltestellen stehen.