Erneut haben Bürger bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) ein Kaufangebot abgegeben. Waren es in der vorigen Woche Mieter in Schöneberg, die für 4,8 Millionen ihre Häuser kaufen und sich so vor Mieterhöhungen durch Spekulanten retten wollen, wurde am Donnerstag ein Bürgerbündnis bei der Bima vorstellig. Die Mitglieder rollten einen 1,50 Meter großen Euro vor den Sitz der Bundesanstalt an der Fasanenstraße. Dann gaben sie ihr Angebot für das sogenannte Dragoner-Areal in Kreuzberg ab.

Fünf Hektar zum Höchstpreis

Fünf Hektar Historie – einen denkmalgeschützten ehemaligen Kasernenkomplex zwischen Mehringdamm, Yorck- und Obentrautstraße – will die Bima verkaufen. Zum Höchstpreis. Am Donnerstag war Angebotsschluss. „Wir bieten dafür einen symbolischen Euro, weil wir ein Höchstpreisverfahren für dieses Grundstück für nicht angemessen halten“, sagte Enrico Schönberg vom Bündnis Stadt von unten. Dem Bündnis gehören mehrere Initiativen an, die sich mit dem Thema Mieten und Wohnen in der Stadt beschäftigen.

100 Prozent soziale Mieten

„Ein Verkauf zum Höchstpreis würde noch mehr Eigentums- und teure Mietwohnungen bedeuten, die für die Mehrheit der Berliner unbezahlbar sind“, sagte Schönberg. Das Bündnis will, dass das Dragoner-Areal von der Bima ans Land Berlin und damit an die Stadtgesellschaft übertragen wird. Mit Anwohnern und Initiativen gemeinsam soll dann dafür ein Konzept ausgearbeitet werden. „Wir wollen dort 100 Prozent Mietwohnungen, 100 Prozent wirklich soziale Mieten und das alles zu 100 Prozent abgesichert.“

1700 Wohnungen zum Höchstpreis zu verkaufen

Das Areal hinterm Finanzamt Kreuzberg steht größtenteils leer, in einigen Baracken haben sich Autowerkstätten eingerichtet, auch ein Club und ein LPG-Supermarkt gehören dazu. Die Bima will bis 2018 in Berlin weitere Flächen sowie rund 1 700 Wohnungen verkaufen – alles zum Höchstpreis, was nicht nur bei Bürgern Protest hervorruft. Der Senat kündigte an, mit anderen Ländern im Bundesrat darauf hinwirken, dass kommunale Interessen stärker zum Zuge kommen.