Berlin - Seit Jahren bemüht sich der Senat erfolglos um das Thema, jetzt will es ein Privatunternehmen realisieren: Die Berliner Firma Wall AG, die in der Stadt etliche Toilettenhäuser, Kioske und Bushaltestellen betreibt und dafür Werbeflächen vermarkten darf, will die Berliner Innenstadt mit kostenlosem WLAN ausstatten. Besitzer mobiler Geräte können dann drahtlos das Internet nutzen.

Wie das praktisch funktioniert, zeigt das Unternehmen seit Mittwoch schon einmal an mehr als 20 Bushaltestellen der Innenstadt. In Gegenden wie Hackescher Markt, Alexanderplatz, Friedrichstraße, Potsdamer Platz, Wittenberg- und Breitscheidplatz sowie Bahnhof Zoo steht der kostenlose Service für eine Probephase bis Ende August zur Verfügung.

Vor allem ausländische Touristen, die nach Berlin kommen und hier teure Internetkosten zahlen müssten, können sich nun ein Programm (App) herunterladen und nach einer Anmeldung zeitlich unbegrenzt und ohne Datenbegrenzung das Internet nutzen.

Sitzheizung und Live-Anzeige

Und bald könnten Berliner und Gäste an noch mehr Orten ins Netz gehen. 300 neue Bushaltestellen, ausgestattet mit WLAN-Antenne, Handy-Aufladestation, beheizbarer Sitzbank, Live-Anzeigen und mobilem Stadtinformationssystem, will die Wall AG in Zukunft einrichten und die bestehenden Wartehäuschen ersetzen. Ein Prototyp der High-Tech-Haltestelle ist bereits produziert und steht in einer Halle der Firma in Velten.

Zehn Millionen Euro will das Unternehmen in das Pilotprojekt investieren. Zur Zeit verhandelt die Wall AG mit dem Senat. „Wir rechnen in Kürze mit einer Entscheidung“, sagt Daniel Wall, Vorstandsvorsitzender der Wall AG, der Berliner Zeitung. „Wir sind im Gespräch“, bestätigt Daniela Augenstein, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Wenn die Behörde dem Vorhaben zustimmt, wäre kostenloses WLAN acht Monate später nutzbar.

Nicht nur für Berliner und Touristen wäre das Angebot lukrativ, auch Wall AG und Senat profitieren davon. Für Wall wird die Refinanzierung des Vorhabens über eine Verlängerung von Werbeverträgen mit dem Land Berlin gesichert. Das heißt, Wall versorgt weitere fünf Jahre die Stadt mit Haltestellen und Toiletten. Die Firma darf im Gegenzug Werbetafeln auf städtischem Boden aufstellen und die Flächen vermarkten. Im Senat wiederum würde das Suchen nach einem WLAN-Anbieter enden. Widerstand gegen das Projekt gab es aber intern. So hatte es die Stadtentwicklungsbehörde abgelehnt, dass Laternen als Funkantennen genutzt werden. Von „vorgeschobenen Gründen“ spricht Sven Kohlmeier, netzpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion.

Nach den Wahlen 2011 setzte die SPD-CDU-Regierung das Thema wieder auf die Tagesordnung. „Wir wollen ein gebührenfreies WLAN für Berlin ermöglichen“, steht im Koalitionsvertrag. Mittlerweile kümmert sich die Senatskanzlei um das Thema. Sie bereitet ein Interessenbekundungsverfahren vor und sucht bis zum Herbst weitere Anbieter wie die Wall AG. Ob sie diese finden wird, bleibt fraglich. Denn Geld verdienen lässt sich mit dem kostenlosen Angebot nicht. „Wir freuen uns über jede Initiative“, sagt Vize-Senatssprecher Bernhard Schodrowski. „WLAN gehört zu einer modernen Großstadt“, sagt Kohlmeier.

Vorstands-Chef Daniel Wall sagt, für sein Unternehmen sei die großflächige Versorgung der Berliner mit Internet eine „Referenz für andere Städte“, in denen die Firma ähnliche Projekte plant. Wall hat neben Berlin mit 50 weiteren Städten Verträge abgeschlossen. Das rechnet sich: Wall vermeldet jedes Jahr Millionenumsätze.