Berlin - Mehr Umsatz, höhere Investitionen, Neueinstellungen im dreistelligen Bereich – das geht auch in der Krise. Nachdem die Berliner Wasserbetriebe bereits 2019 so viel Gewinn eingefahren hatten wie kein anderes der etwa drei Dutzend landeseigenen Unternehmen, erwies sich der Versorger auch im Folgejahr als feste Bank. Sogar beim Gewinn legte das Unternehmen noch einmal nach. „Berlin kann sich auf uns verlassen“, sagte Firmenchef Jörg Simon, als er am Donnerstag die Jahresbilanz vorlegte.

Obwohl weniger Touristen in die Stadt kamen und Hotels meist leer blieben, so waren doch die abermals gewachsene Stadt und die zu Hause gebliebenen Berliner zu versorgen. Tatsächlich wurden im vergangenen Jahr drei Millionen Kubikmeter Trinkwasser mehr verkauft als 2019. Am Ende standen 223 Millionen Kubikmeter auf dem Zähler. Die Menge des gereinigten Abwassers stieg in gleicher Größenordnung auf 258 Millionen Kubikmeter. So stieg der Umsatz um 23 Millionen Euro auf 1,184 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss wuchs um 90 auf 286 Millionen Euro. Das ging auch bei den Wasserbetrieben mit Homeoffice. Bis zu 2500 der insgesamt über 4500 Beschäftigten arbeiteten zeitweise zu Hause.

Zum Erfolg der Wasserbetriebe tragen mittlerweile aber auch die 2014 gegründeten Berliner Stadtwerke bei. Immerhin konnte das hundertprozentige Tochterunternehmen seinen Umsatz im vorigen Jahr gegenüber 2019 auf 125 Millionen Euro mehr als verzehnfachen. Die Zahl der Ökostrom-Kunden stieg um 6000 auf 22.000.

Darüber hinaus investierten die Wasserbetriebe aus eigener Leistung erbrachte 400 Millionen Euro. Damit wurden unter anderem die Klärwerke mit zusätzlichen Reinigungsstufen ausgerüstet, Brunnen, Rohre und Kanäle erneuert. In diesem Jahr sollen weitere 423 Millionen Euro folgen und die Preise weiterhin unverändert bleiben. Für das nächste Jahr kündigte Simon zwar den Umstieg von privatrechtlichen Preisen und Tarifen auf ein öffentlich-rechtliches Gebührensystem für Trink- und Abwasser an, doch ändere sich damit für die Kunden „praktisch nichts“. „Es wird auch 2022 und 2023 keine Preiserhöhung geben“, so der Firmenchef. Tatsächlich gab es die letzte Preisveränderung im Jahr 2014. Seinerzeit wurde der Trinkwasserpreis um 16 Prozent gesenkt.

Grafik: BLZ/Hecher, Quelle: Berliner Wasserbetriebe

Höhere Preise werden demnach in jedem Fall nicht von Jörg Simon verkündet werden. Denn im Laufe des Jahres wird der 58-jährige Wirtschafts- und Maschinenbau-Ingenieur den Chefsessel an der Neuen Jüdenstraße nach 22 Jahren auf eigenen Wunsch räumen. „Es war kein Job, sondern Leidenschaft“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Berliner Wasserbetriebe am Donnerstag. Was folgen wird, sagte er nicht. Es wird gemunkelt, er werde einen Posten im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg übernehmen. Der dort amtierende Chefkontrolleur Rainer Bretschneider, 72, hatte zum Jahresbeginn seinen Rückzug für den Sommer angekündigt.