Unter dem Eindruck des Krieges in Europa ist in Berlin die Hilfe für die ukrainische Bevölkerung angelaufen. Die Hilfsorganisationen brauchen vor allem Geld, um den nach Westen flüchtenden Menschenmassen helfen zu können, und um eine Infrastruktur für deren Versorgung aufbauen zu können. So bereitet das Deutsche Rote Kreuz (DRK) einen ersten Hilfstransport vor, der an diesem Dienstag in Schönefeld starten soll.

Die Lastwagen sollen ins polnische Lublin fahren. Von dort aus können die Nothilfegüter sowohl zur Versorgung der Bevölkerung in die Ukraine geliefert als auch zu Gunsten von Menschen auf der Flucht verteilt werden. „Der Transport ist der Beginn des Aufbaus einer Versorgungslinie für vom bewaffneten Konflikt Betroffene in der Ukraine und für Geflüchtete in Polen“, teilte das Generalsekretariat des DRK mit. Voraussichtlich werden es vier Lastwagen sein, die sich auf den Weg machen. Sie werden am DRK-Logistikzentrum am Flughafen mit Hygiene-Kits, Zelten und Matratzen beladen.

Spenden wie etwa Bekleidung oder Decken kann das DRK derzeit noch nicht annehmen. „Wie wir mit Sachspenden verfahren, das wird sich in den nächsten Tagen klären“, sagte eine Sprecherin der Hilfsorganisation.

Unterkünfte und Sanitäranlagen werden gebaut

Die Spendenbereitschaft der Deutschen ist groß. So bereitet sich der Verein „Moabit hilft“ auf die Ankunft vieler Flüchtlinge aus der Ukraine vor. Er ruft dazu auf, Menschen auch bei sich zu Hause aufzunehmen. Die Hilfe der Gesellschaft sei nötig, weil vom Staat gestellte Unterbringungsmöglichkeiten für Geflüchtete auch ohne Krieg in der Ukraine maximal ausgelastet seien. Hinzu kommen viele private Initiativen, wie etwa die einiger Berliner Restaurantinhaber, die in Berlin Sachspenden sammeln, um diese an geflüchtete Ukrainer nach Polen, in die Slowakei, nach Rumänien oder Ungarn oder direkt in die Ukraine zu schicken.

Die größeren Hilfsorganisationen bitten aber vor allem um Geld, um an der Grenze zur Ukraine Einrichtungen wie Unterkünfte und Sanitäranlagen aufzubauen. Die Caritas ist unter anderem vor Ort in der Ukraine aktiv und hilft Binnenflüchtlingen. Die Caritas Polen etwa hat zweieinhalbtausend Unterkunftsplätze für die Flüchtenden vorbereitet. „Zur Zeit nehmen wir noch keine Sachspenden an“, sagte ein Sprecher am Montag. „Aber Geldspenden sind uns umso lieber, da die Helfer vor Ort noch Dinge beschaffen können.“

Spendenmöglichkeiten

  • DRK: IBAN DE63370205000005023307, BIC BFSWDE33XXX, Stichwort „Nothilfe Ukraine“
  • Caritas: IBAN DE88 6602 0500 0202 0202 02, BIC BFSWDE33KRL, Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe
  • Diakonie-Katastrophenhilfe: IBAN DE68520604100000502502, BIC GENODEF1EK1, Evangelische Bank
  • Ukraine Forum e.V.: IBAN: DE41 1005 0000 0190996099, BIC:BELADEBEXXX, Stichwort „HILFE UKRAINE“

Die Diakonie-Katastrophenhilfe sammelt ebenfalls Spenden. Ihr Nothilfekoordinator wird am Dienstag in Polen prüfen, was gebraucht wird – ob bei Unterkünften, Wasserversorgung oder Sanitäreinrichtungen. „Im Moment ist noch alles im Fluss“, sagt Sprecherin Anne Dreyer. „Bargeld hilft den Menschen auf der Flucht am effektivsten.“ Man sei noch nicht auf dem Höhepunkt der Krise. Hunderttausende seien auf der Flucht. Das werde sich in den nächsten Wochen noch potenzieren. „Deshalb sind Geldspenden so wichtig, um die Situation in den nächsten Wochen und Monaten bewältigen zu können.“

Der Berliner Verein Ukraine Forum bittet ebenfalls um Spenden. Diese sammelt er nach eigenen Angaben für eine Einrichtung des Flüchtlingslagers und der Erste-Hilfe-Einrichtung in Billyi Kamin, im Lwiwska Oblast in der West-Ukraine. In einer leerstehenden ehemaligen Klinik sollte eigentlich ein Rehabilitationszentrum für Soldaten und Veteranen entstehen. Doch wegen der aktuellen Situation in der Ukraine werde in der Klinik jetzt ein Flüchtlingslager eingerichtet, heißt es vom Verein. „Dafür brauchen wir Matratzen, Bettwäsche, Betten, Erste Hilfe, medizinische Artikel sowie länger haltbare Grundnahrungsmittel.“ Ein großer Bedarf bestehe an Transportmitteln für den Warentransport in die Ukraine und später dort für die Soldaten. „Wir sind bereit, sowohl zu erwerben als auch zu mieten“, sagt ein Vereinssprecher.

Am Spendeneinsammeln für die Ukraine-Hilfe beteiligen sich mittlerweile viele. Etwa die Organisation „Mission Liveline“. Die Organisation sah ihre Aufgabe bislang vor allem darin, Flüchtlinge, die nach Europa wollen, auf dem Mittelmeer aufzunehmen. Sie erklärt auf ihrer Webseite: „Wir haben uns entschlossen, einen kleinen Konvoi an die slowakisch-ukrainische Grenze zu entsenden. Dort werden wir Menschen unterstützen, die versuchen, aus dem Krisengebiet nach Deutschland zu fliehen.“ Auf Anfrage dieser Zeitung sagt Vorstand Axel Steier: „Unsere Konvois transportieren in erster Linie Menschen aus den Grenzregionen der Slowakei an Zielorte, wo notwendige Infrastruktur ist.“ Dies sind nach seinen Worten Botschaften und Unterkünfte. „Wir nehmen keine Sachspenden an, da an den Grenzen alles vorhanden ist und wir keine Transporte in die Ukraine selbst durchführen.“

Zu denjenigen, die bereits Sachspenden entgegen nehmen, gehört seit Sonntag das Pilecki-Institut am Pariser Platz 4a, eine internationale Forschungseinrichtung, die sich der Geschichte und Verarbeitung der Erfahrungen des 20. Jahrhunderts widmet. Laut einer Mitteilung werden gebraucht: Kleidung, Powerbanks (Reserve-Akkus für Handys), Lebensmittelkonserven, Hand- und Kopflampen, Erste-Hilfe-Kästen sowie Camping-Gasöfen.