Drogen in Clubs: "Ein erhobener Zeigefinger hilft wenig"

Drei junge Leute, die unter Drogeneinfluss vor einem Club am Potsdamer Platz kollabieren und um sich schlagen, als Sanitäter sie behandeln wollen. Eine Amerikanerin, die im Berghain zwei Ecstasy-Pillen schluckt und im Krankenhaus offenbar an den Folgen der Einnahme stirbt. In den vergangen Wochen diskutierte Berlin viel über solche Fälle. Über Drogen und ihre Präsenz in den Clubs, über Schutz und Eigenverantwortung, über Freiräume und ihre Grenzen.

Nun will der Senat handeln, zumindest in kleiner, erster Instanz: Eine neue Infokampagne soll Partygänger besser über Drogen aufklären und für einen verantwortungsbewussten Konsum werben. Auch Drug-Checking, also die Reinheitsprüfung von Stoffen am Ort des Geschehens, gerät wieder auf die politische Agenda. 

„Insgesamt 300.000 Euro stehen für die Präventionskampagne im Haushalt zur Verfügung“, sagt Christoph Lang, Sprecher der Gesundheitsverwaltung. „In den nächsten Wochen veröffentlichen wir die Ausschreibung. Träger können sich dann mit ihren Konzepten für das Projekt bewerben.“ Zum Beispiel Flyer, Plakate, Videos und Social-Media-Aufrufe sind denkbar, aber auch Events oder andere Angebote.

Grundlage für die Maßnahme ist eine Umfrage zum Drogenkonsum in Berliner Clubs, die der Senat im Februar vorgestellt hat. Eine große Mehrheit der 877 befragten Partygänger wünscht sich den Ergebnissen zufolge stärkere Aufklärung und eine akzeptierende Beratung. „Akzeptierend – das klingt banal, ist aber elementar“, sagt Sprecher Lang.

„Da hilft ein erhobener Zeigefinger wenig“

„Wir wollen die Leute dort erreichen, wo sie sind: im Club. Das bedeutet nicht, dass wir die Drogen akzeptieren, der Besitz von Ecstasy ist strafbar. Aber wir müssen die Leute, die sie nehmen, akzeptieren, wie sie sind. Da hilft ein erhobener Zeigefinger wenig.“ Aus den Clubs verbannen können, werde man die Substanzen schließlich nicht.

Sicher, die meisten Türsteher nehmen Besuchern Pillen ab, wenn sie sie in der Jackentasche finden. Und sicher, kein Club hat Interesse daran, dem organisierten Handel die Tore zu öffnen und sich in einen Umschlagplatz für Drogen zu verwandeln. Aber Betreiber, Veranstalter und nicht zuletzt Polizisten und Politiker wissen ebenso gut: Wer Drogen nehmen will, wird sie finden. Anstatt wie die südlichen Bundesländer rigoros abzustrafen, packt Berlin seine Clubgänger beim eigenen Urteilsvermögen.

„Es bringt nichts, den Konsum von illegalen Drogen in eine Dunkelecke zu stellen und zu verschleiern“, sagt Georg Kössler, clubpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus. „Das führt lediglich dazu, dass die Leute weniger über die Substanzen wissen. Und der Fall aus dem Berghain zeigt, dass es dabei mitunter um Menschenleben geht.“ Kössler würde ein Pilotprojekt zum Drug-Checking befürworten – wenn es denn einen rechtlichen Spielraum dafür gibt.

Die Senatsverwaltung für Justiz prüft aktuell, inwiefern etwa in mobilen Laboren Drogen legal auf ihre Inhaltsstoffe hin geprüft werden könnten. Drug-Checking soll Konsumenten vor Pillen schützen, die extrem hoch dosiert oder mit Zusatzstoffen versetzt sind. Während etwa in Wien, Zürich oder Amsterdam Kleinbusse mit Laboren unterwegs sind, sind die Tests in Deutschland illegal.

„Kein staatlich geprüfter Drogenkonsum“

Der unbefugte Umgang mit Betäubungsmitteln ist strafbar, Drug-Checking-Helfer könnten belangt werden. Ob der rot-rot-grüne Berliner Senat hier ein juristisches Schlupfloch auftut, ist fraglich. Denn etwa das Betäubungsmittelgesetz obliegt dem Bund – und dort hat bekanntlich die CDU das Sagen.

Die lehnt das Konzept ab. „Wir stellen uns gegen die Verharmlosung, Liberalisierung und Legalisierung illegaler Drogen, weil der erleichterte Zugang zu Drogen erst recht zum Konsum verleitet“, sagt der Gesundheitsexperte der Berliner Fraktion, Tim-Christopher Zeelen. „Wir wollen keinen staatlich geprüften Drogenkonsum.“

Neben repressiven Mitteln liegt auch der CDU eine umfassende Drogenprävention am Herzen. „Wichtig ist auch die Schulung von Mitarbeitern in den Clubs, damit Drogenkonsum und seine Nebenwirkungen schneller erkannt werden“, sagt Zeelen. „Das gilt auch für den starken Konsum von Alkohol.“

Denn Rauschtrinken fördert Aggression und Gewalt in besonderem Maße. Alkohol ist laut der Senatsumfrage die mit Abstand am weitesten verbreitetste Droge. Und sie ist ganz legal an jeder Bar zu bekommen.