Berlin - Jeden Tag holt der Kurier die Ware am frühen Morgen aus einer leerstehenden Wohnung im gutbürgerlichen Friedenau, nimmt S-und U-Bahn zum Südstern, schließt hier sein Rad auf und fährt in die Hasenheide. Observiert von Ermittlern der Polizei Berlin. Er ist aus Guinea geflüchtet, so wie Ismael, einer seiner Abnehmer im Park. Der steht groovig an sein Rad gelehnt im Schatten einer Eiche, während im Gebüsch nebenan seine Kumpel bei Kundschaft durchsichtige Tütchen mit Marihuana aus dem Boden buddeln und auf der anderen Seite des Baumes eine Seniorengruppe Gymnastik macht. „Corona ist eine Katastrophe“, sagt der 30-Jährige, bis zur Hälfte des Umsatzes sei weggebrochen. An diesem Vormittag kommen zwei auf englisch anfragende Frauen in kurzen Faltenröcken, drei mutmaßliche Studenten, ein Batik-Freak und ein nerdiger Rollstuhlfahrer.

Ein Stammgast, sagt Khalid, doch das letzte Jahr habe die Käufer abgeschreckt: „Viele Monate hatten wir nur schlechtes Albaner-Gras, wirklich keine gute Qualität. Aber was sollten wir machen? Von Spanien kam nichts mehr über die Grenze, von hier konnte keiner kurz nach Holland fahren.“ Auch aus den Plantagen in der Region sei nichts gekommen. Er trägt ein Adidas-Muskelshirt und Basecap, gehört zu einer Gruppe Westafrikaner, sie seien eine Art Familie, die eigenen Angehörigen lebten in Guinea, Guinea-Bissau, Ghana, Gambia, dem Senegal und so weiter. Er arbeite in einer Fabrik, die Einkünfte aus der Hasenheide seien „Taschengeld“. Fast alle aus seiner Gruppe hätten Jobs, im Reinigungsbereich, in der Gastro, zumindest gelegentlich.

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