Berlin - Die Posse um das Kokain in Bananenkartons nimmt eine neue Wendung. Nach Informationen der Berliner Zeitung waren die 140 Kilogramm Kokain, die am 6. Januar in insgesamt fünf Supermärkten in Berlin und Brandenburg gefunden wurden, eigentlich für Großbritannien bestimmt.

Mittlerweile haben die Ermittler beim Landeskriminalamt und Zoll den Weg der Bananen rekonstruiert: Das aus Kolumbien kommende Containerschiff „Maersk Niteroi“, das unter anderem mit einem Container beladen war, der 1 150 Kisten Bananen und das Kokain enthielt, hatte zunächst den Hafen im niederländischen Rotterdam zum Ziel. „Wegen schlechten Wetters kam er jedoch sechs Tage zu spät in Rotterdam an“, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich am Mittwoch.

Da der Bananen-Handel auf der Basis von Termingeschäften abläuft und die Frist verstrichen war, wollten die Abnehmer in den Niederlanden die für England bestimmten Bananen nicht mehr haben. Zum Leidwesen der Kokain-Schmuggler, die in England warteten, fuhr das Schiff weiter nach Hamburg. Dort kaufte ein Großimporteur die Bananen und holte den Container am 27. Dezember vom Schiff. Die Kisten wurden auf Paletten verladen und per Lkw zum Fruchthof Berlin an der Beusselstraße gebracht.

Dort lagerten die Früchte in einem Reiferaum, bevor sie am 6. Januar durch einen Großhändler an drei Lebensmitteldiscounter verkauft wurden. In sieben Kisten fanden schließlich Mitarbeiter der Läden die Koks-Päckchen. 60 Kilogramm wurden in zwei Köpenicker Filialen entdeckt, 40 Kilo in einem Markt in Reinickendorf, 20 Kilo in Wedding und 20 Kilo in Velten nördlich von Berlin.

In einem Päckchen hatte das Kokain eine Wirkstoffkonzentration von 55 Prozent. Wie hoch sie in den anderen Packungen ist, ist noch nicht klar. „Die Laboruntersuchungen laufen noch“, sagte Redlich. Ermittlern zufolge fand die Spurensicherung noch immer keine Markierungen an den Kisten, die es Schmugglern hätte ermöglichen können, die Koks-Pakete von Normalen zu unterscheiden. Es ist also fraglich, ob die Engländer ihre Lieferung überhaupt erkannt hätten. Der Marktwert der Lieferung, die den Dealern abhandengekommen ist, liegt bei sechs Millionen Euro.

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