Vor einem Jahr wurden im Görlitzer Park Bäume und Sträucher rigoros beschnitten. Was viele Anwohner als Kahlschlag kritisierten, diente laut Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg vor allem dazu, das Verstecken von Drogen zu erschweren oder unmöglich zu machen. Das dichte Gebüsch in Berlins bekanntestem Drogenumschlagplatz, wo ungeachtet der seit einem Jahr geltenden Null-Toleranz-Politik, fast 1600 Anzeigen und 560 Festnahmen weiterhin gedealt wird, diente den Händlern als Vorratsbunker für ihre Drogen.
Jetzt hat Teil Zwei des Umbaus von Berlins bekanntestem Park begonnen. Insgesamt vier Eingänge werden geschlossen – an der Falckenstein- und der Cuvrystraße. Auch diese Maßnahme wird hauptsächlich damit begründet, die Drogengeschäfte zu minimieren. Viele Dealer haben an diesen Eingängen ihr „Hauptquartier“.
Parkmanager gesucht
Manche Zugänge wie die beiden im Umfeld des Teiches im südlichen Parkbereich sind nach Überzeugung von Landschaftsexperten aber auch schlicht unnötig geworden, weil Besucher die dortigen Neuanpflanzungen niedertrampeln könnten. Der Eingang zur Skalitzer Straße wird im Gegenzug zur Vierfach-Schließung erweitert und transparenter gemacht. Die Pfeiler werden auf Pollerhöhe gestutzt und die Mauer auf beiden Seiten durch Zäune ersetzt, um alles übersichtlicher zu machen.
Die Arbeiten sind Teil des Parkpflegekonzeptes, das die Verantwortlichen im Bezirk gemeinsam mit Landschaftsarchitekten ausgearbeitet haben und das bis nächstes Jahr umgesetzt werden soll. „Wir wollen, dass die Anwohner den Görli wieder betreten können, ohne Angst zu haben“, sagt Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne).
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Mehr Übersichtlichkeit bedeutet auch, dass unfallträchtige Situationen zwischen Fußgängern und Radlern vermieden werden. Zu den baulichen Maßnahmen gehört zudem die Erweiterung des Kinderbauernhofes und die Neugestaltung des Spielplatzes am Rodelhügel im südlichen Parkteil, wo ein kostenfreies WC aufgestellt werden soll.
Lorenz Rollhäuser, Mitglied der Anwohnerinitiative, begrüßt die Arbeiten. Er sagt aber auch: „Im Park gibt es ein Sicherheitsproblem, das nicht zwingend mit den Dealern zusammenhängt.“ Raub und Diebstähle hätten generell zugenommen. Die Initiative schlägt deshalb die Installation von Parkläufern vor, die Besuchern erklären, was erlaubt ist und was nicht. Im Bezirksamt wird der Vorschlag mit Skepsis gesehen: Es sei nicht geklärt, welche Rechte Parkläufer hätten, die weder zum Ordnungsamt noch zur Polizei gehörten, heißt es. Aber einen Parkmanager soll es geben. Die Ausschreibung für den neuen Mitarbeiter, dessen Arbeit sich der Bezirk bis zu 80 000 Euro jährlich kosten lassen will, soll Anfang 2016 fertig sein.