Alles im Blick: Drei Mitarbeiter des Kreuzberger Start-ups aus der Perspektive einer Drohne.
Foto: Airteam Aerial Intelligence

BerlinWer am Freitag am Halleschen Ufer in Kreuzberg ein Flugobjekt erspäht, sollte sich nicht wundern. Die Drohne, die ab 10 Uhr die Hauptverkehrsstraße langsam überfliegen soll, ist in offizieller Mission unterwegs. „Wir wurden beauftragt, einige Straßenzüge mit Pop-up-Radwegen zu vermessen“, erklärt Carolin Wilke, Projektkoordinatorin beim Airteam Aerial Intelligence. Bislang schwärmen die Kameradrohnen des Kreuzberger Start-ups aus, wenn Dächer inspiziert oder aufgemessen werden sollen – zum Beispiel  weil ein Dachausbau oder die Montage einer Solaranlage bevorsteht. Mit der Vermessung von Radfahrstreifen wird nun Neuland beflogen. Ein neues Geschäftsfeld mit einigem Potenzial.

Die Premiere im Verkehrsbau hat das Unternehmen, das sich mit anderen Newcomern stilecht eine Fabriketage teilt, bereits hinter sich. „Die neuen Pop-up-Radwege in der Petersburger, Lichtenberger, Gitschiner und Zossener Straße haben wir bereits in den vergangenen Tagen vermessen“, berichtet Moritz Jesch vom Airteam. In bis zu 50 Meter Höhe schwirrte eine Drohne über der Fahrbahn und nahm mehrere Hundert Bilder auf, die später zu einer Übersicht zusammengefügt wurden.

Die dreidimensionalen Modelle zeigen die provisorischen Radfahrstreifen, die das Straßen- und Grünflächenamt Friedrichshain-Kreuzberg gelb markieren und ebenso behelfsmäßig von Baken schützen ließ. Mit den Radwegen, die innerhalb weniger Tage „aufpoppten“, machten Amtsleiter Felix Weisbrich und seine Leute international Schlagzeilen. Sie nahmen die Corona-Krise zum Anlass, um den Platz für Radfahrer mit mehr Tempo als bisher auszuweiten. Nun geht es darum, die vorläufigen Regelungen in dauerhafte Verkehrsanlagen zu überführen, die auf den betroffenen Straßen schon seit Jahren geplant sind. Stahlpoller müssen aufgestellt und verankert, endgültige Markierungen aufgetragen werden.

Auf zu neuen Geschäftsfeldern: Carolin Wilke und Moritz Jesch mit einer Mavic Pro 2.
Foto: Berliner Zeitung/ Andreas Klug

Vorher ist allerdings die Straße zu vermessen. Um auch hier Tempo zu machen, hielten die Planer im Bezirk und bei der landeseigenen InfraVelo nach digitalen Verfahren Ausschau. Hier kommt das Airteam ins Spiel, das vor knapp drei Jahren von dem Luftfahrtingenieur Gautier Chapuis und dem Marketingexperten Thomas Gorski gegründet worden ist. Mit digitalen Dachaufmaßen und der dazugehörigen Software hat sich das Start-up, das inzwischen auf knapp zehn angestellte Mitarbeiter gewachsen ist, bereits zahlreiche Referenzen erworben. Bundesweit stehen rund 500 Drohnenpiloten bereit, die Aufträge übernehmen.  

Mit dem Auftrag, künftige Verkehrsanlagen zu vermessen, begibt sich das Unternehmen nun auf ein neues vielversprechendes Terrain. „Das hat Zukunft“, sagt Moritz Jesch. „In diese Richtung wird es gehen.“ Gut möglich, dass sich bald ein weiterer Auftrag anschließt. Es gibt eine Liste mit weiteren 17 Radfahrstreifen, die im Bezirk entstehen sollen.