Berlin/Wiesbaden - Nach sieben Monaten Dauer-Sommer und so gut wie keinen Niederschlägen ist nun Schluss mit spaßig: Die fortschreitende Dürre nimmt nun kaum noch beherrschbare Ausmaße an.

Nur noch bis Ende Oktober kann der Pegel der Spree in Berlin voraussichtlich konstant gehalten werden - und das auch nur unter Einsatz drastischer Mittel: So planen die Hauptstadt-Wassermanager bereits, die Schleusen zu schließen. In Brandenburg ist die Spree bereits an manchen Stellen zum Stehen gekommen oder fließt sogar rückwärts, erklärte jüngst Derk Ehlert aus der Senats-Umweltverwaltung.

Einstellung der Schifffahrt droht

Einspeisungen aus Süd-Brandenburg und Sachsen sollen dazu beitragen, ein weiteres Absinken des Pegels zu verhindern. Auch der aktuelle Trend lässt aber keine ergiebigen Regenfälle auf absehbare Zeit erwarten. Zwar sei dadurch die Trinkwasserversorgung in der Region nicht gefährdet, aber der Schifffahrt droht bei weiter ausbleibendem Regen bald die Einstellung.

Katastrophenstimmung herrscht bereits an dem sonst wasserreichsten Fluss Deutschlands, dem Rhein: In Worms wurde am Dienstagmorgen nur noch ein Pegel von 17 Zentimetern gemessen. Angesichts ausbleibender Niederschläge rechnet Wetterexperte Dominik Jung (wetter.net) damit, dass selbst der Negativrekord vom September 2003 (16 Zentimeter) bald unterschritten wird: "Wohl noch in den nächsten Stunden".

Erstaunlicherweise ist die Schifffahrt am Oberrhein dennoch noch nicht eingestellt, weil die Fahrrinne für die Schiffspassage ausgebaggert wurde. Mit wenig oder keiner Ladung können die Schiffe noch passieren. "Sonst besteht die Gefahr, dass sie auf Grund laufen könnten", erklärt Jung.

Spätsommer bis Freitag, danach gehen die Temperaturen auf Sinkflug

Selbst ein kleines Hoch über Norddeutschland bringt kaum Regen - noch bis zum Wochenende geht es bei spätsommerlichen Höchstwerten knochentrocken in unserer Region weiter. Dass man so spät im Jahr noch vor Waldbränden in Brandenburg warnen muss, ist ein Alarmsignal.

Rund 3,8 Grad ist der Oktober in unserer Region mittlerweile zu warm, und der Wert wird sich bei Höchstwerten von 23 Grad am Dienstag, 22 Grad am MIttwoch und immerhin noch 20 Grad am Donnerstag noch einmal erhöhen. Erst vom Wochenende an werden die Werte langsam auf ein übliches Herbst-Niveau fallen: Die Höchstwerte könnten kommende Woche tatsächlich auf ein einstelliges Niveau fallen und nachts rückt die Frostgrenze wieder in Reichweite. 

Ob sich dieser Trend so fortsetzt und möglicherweise schon die ersten Schneeflocken in den Mittelgebirgen herabrieseln - "das ist heute aber noch unsicher!", so Diplom-Meteorologe Dominik Jung. JSt