Was für ein Temperaturschock: Auf fast 40 Grad waren die Höchstwerte am Sonntag gestiegen, und am Mittwochmorgen meldete die Wetterstation in Berlin-Tegel gerade noch zehn Grad. Weiter südlich in Sachsen registrierten einige Wetterstationen sogar Bodenfrost. So wurden in Deutschneudorf-Brüderwiese fünf Zentimeter über dem Erdboden minus 0,3 Grad gemessen.

Kälteeinbruch knipst den Sommer aus

„Für einen Julimorgen ist das ungewöhnlich kühl", urteilt Wetterexperte Dominik Jung (wetter.net). So schnell schlittern wir von einem Extrem zum Anderen: Der Juni endete mit einem neuen Hitzerekord, und plötzlich knipst der Kälteeinbruch den Sommer aus.

Und ausgerechnet jetzt befinden wir uns im sogenannten Siebenschläferzeitraum. Wie das Wetter Anfang Juli ist, so könnte es in den kommenden Wochen weitergehen - so lautet die althergebrachte Regel, die wissenschaftlich allerdings auf tönernen Füßen steht. Statistisch, erklärt Diplommeteorologe Jung, trifft der Siebenschläfer im Süden Deutschlands zu 60 bis 70 Prozent zu. „Nach Norden verliert diese Regel an Gültigkeit."

„Kaltes“ Hoch sorgt für fortschreitende Trockenheit

Blicken wir auf den Wettertrend für unsere Region, deutet allerdings auch nichts auf eine Wiederkehr der extremen Hitze. Es deutet sich eine allmähliche Erwärmung der Höchstwerte in der ersten Juli-Hälfte an, wobei die Nachtwerte allerdings vergleichsweise frisch bleiben.

Verantwortlich für die aktuelle Wetterlage macht Jung ein „kaltes“ Hoch in der Nähe von Deutschland. „Das bringt uns viel Sonne, aber eben auch kühle Temperaturen und sorgt für eine Fortdauer der Trockenheit" - und damit spricht Jung das Problem an, das uns in diesem Sommer und womöglich weit darüber hinaus beschäftigen wird: Die sich weiter verschärfende Dürre, die sich bereits in tiefe Erdschichten gefressen hat.

Auch wenn die Siebenschläferregel wissenschaftlich kaum Erkenntnisse bringt, schließt Jung sieben Wochen Dürre nicht aus. Und einmal mehr zeigt sich, dass es auch keiner fortgesetzten Hitze bedarf, um die Dürre anwachsen zu lassen: Bis in die Wintermonate hinein hatte sich die Dürre des letzten Jahres fortgesetzt.

„Wir sind mittendrin im Dürresommer"

Dominik Jung erklärt: „Die Trockenheit entsteht, weil kein oder zu wenig Regen fällt. Dabei ist es doch egal ob bei 10 Grad oder 25 Grad kein Regen fällt. In beiden Fällen ist es trocken." 

Wer also auch immer glaubte, der Winter habe die Dürre des vergangenen Jahres eingehegt, sieht nun, wie sich die Lage nochmals verschärft. „Wir sind mittendrin im Dürresommer. Der Dürremonitor zeigt wie trocken derzeit der Erdboden bis in 1,8 m Tiefe ist."

Bei uns im Osten und im Norden war bereits auffällig, wie wenig Regen fiel, nun breitet sich die Dürre aber auch im Westen und Südosten aus. Lediglich im äußersten Nordosten rechnet Jung in den nächsten Tagen mit etwas Regen. Ein paar Tropfen könnten sich ab Wochenende in unsere Region verirren. Ansonsten bleibt es trotz der niedrigeren Temperaturen knochentrocken. 

Jung verweist in dem Zusammenhang auf die neuesten NOAA-Monatsprognosen für Juli und August: Die US-Meteorologen rechnen mit so gut wie keinen Niederschlägen. Trifft diese Prognose zu, wird sich die Dürre in immer tiefere Erdschichten fressen. Auch genügsame Bäume mit tiefen Wurzeln werden dann in Bedrängnis kommen. Die Gefahr von Waldbränden wird weiter zunehmen, denn der ausgetrocknete Erdboden bedeckt mit ebenso trockenem Gehölz und Blättern wirkt wie Zunder. Das ist das Szenario, auf das wir uns einstellen sollten. Auch wenn Hitzegeplagte in diesen Tagen regenerieren können, die Natur leidet weiter. JSt