„Ich hasse brunchen“, sagt eine Freundin. Sprich: „bran’schn“. Ich bin etwas erstaunt, denn unsere Familien haben sich schon mehrfach zum Brunch getroffen. Und es war eigentlich immer nett. Die Kinder waren noch kleiner. Man saß in einem Restaurant oder auf einer See-Terrasse. Man redete, trank Kaffee, während die Kinder umhertobten und den Laden auseinandernahmen. Ab und zu schlenderte man halb beduselt zum Büffet, um sich noch mal Brötchen, Rührei, Müsli, Obst oder auch Pfannkuchen, Fladenbrot und Hummus zu holen.

„Genau das ist es“, sagt die Freundin. „Man frisst zu viel, trinkt schon am Vormittag Sekt. Das Ganze zieht sich bis in den Nachmittag – und der Tag ist gelaufen.“ Gerade am vergangenen Sonntag hatte man wieder das Gefühl, dass die ganze Stadt mit Kind und Kegel in Hunderten Restaurants stundenlang an Tischen sitzt und dauermampft. Es wird gegackert, gequasselt, dazwischen krähen die Kinder. Das Ganze hat keinen richtigen Anfang und kein richtiges Ende.

Künftig gibt es „Frittag“

„Wat is’n det für ne neue Mode?“ würde mein Opa – Jahrgang 1904 – fragen, wenn er das sähe. Er würde den Begriff Brunch aussprechen, wie er geschrieben steht. Er stammte ja aus einer Generation, die noch „Beffstick“ statt Beefsteak sagte. Die Jugend trug „Schiens“, im Metropol-Theater spielte man „Miefarlaadie“ („My Fair Lady“). Auch sonst gab es Berührungsschwierigkeiten, was das Englische betrifft. „Brunch ist eine Mischung aus Breakfast und Lunch, also Frühstück und Mittag“, würde ich meinem Opa sagen. Und er: „Uff Deutsch hieße dit also nich Brunch, sondern Frittach!“ – „Genau!“

Ich finde die Idee, künftig von „Frittach“ – also auf Nicht-Berlinisch „Frittag“ – zu reden, ganz hübsch. Da ließe sich Kreatives draus schöpfen: zum Beispiel die Reihe „Fritzens Freitags-Frittag“, bei der es „frische Frittags-Frikadellen mit Fritten“ gibt. Und einmal im Jahr trifft man sich dann zum „Frohen Frittags-Fasten“ – mit frugalem Buffet, aber dafür umso mehr Sekt. Am besten Freixenet. Kann aber auch Franzbranntwein sein. Zum Einreiben. Falls der Hintern wehtut vom vielen Sitzen.