Nach Brand: Duschen und Toiletten gibt es für einige Mieter nur im Hof

Einen Monat nach dem Kellerbrand in einem Wohnhaus in Spandau leiden die Mieter noch immer unter den Folgen. Der Ärger über den Vermieter ist groß.

Im Hof des Hauses Maulbeerallee 31 stehen Dusch- und Toilettencontainer, weil die Wasserversorgung in den Wohnungen nach dem Kellerbrand vom 24. August noch nicht überall funktioniert.
Im Hof des Hauses Maulbeerallee 31 stehen Dusch- und Toilettencontainer, weil die Wasserversorgung in den Wohnungen nach dem Kellerbrand vom 24. August noch nicht überall funktioniert.Sabine Gudath

Für die Mieterin Janine Pastowski ist es schlichtweg „eine Katastrophe“. In der Nacht vom 24. zum 25. August hat es im Keller ihres Wohnhauses in der Maulbeerallee 31 in Spandau gebrannt. Die Flammen waren zwar schnell gelöscht, doch die Folgen des Feuers beeinträchtigen den Alltag der Bewohner noch immer. „Wir haben kein Wasser, der Fahrstuhl geht nicht, und auch die Heizung funktioniert nicht“, berichtet die 42-Jährige, die im siebten Geschoss wohnt.

Besonders gravierend: Weil das Wasser bei ihr nicht funktioniert, kann Janine Pastowski weder in der Wohnung duschen noch die Toilette benutzen. Sie muss wie andere betroffene Bewohner auf Dusch- und Toilettencontainer ausweichen, die vom Vermieter, der Wohnungsbaugesellschaft Gewobag, im Hof aufgestellt wurden. Eine Dusche gebe es dort für die Frauen, eine für die Männer, berichtet Pastowski. Wer duschen will, muss also Wartezeit einkalkulieren. Oder den Zeitpunkt abpassen, wenn die Dusche gerade frei ist. „Ich gehe relativ spät“, sagt Pastowski.

Wenn sie nachts auf die Toilette muss, könne sie aber als Frau nicht einfach aus dem siebten Stock in den Hof laufen, sagt Pastowski. Es sei dort „alles duster“. Das kleine und große Geschäft, das normalerweise zu Hause in der Toilette landet, wird deswegen von ihr und ihrer Mitbewohnerin zurzeit in einem großen Müllsack aufgefangen – und morgens im Müll entsorgt. Das sei „eklig“, aber etwas anderes bleibe ihnen nicht übrig, so Pastowski.

Janine Pastowski bringt in einem Beutel das zum Müll, was normalerweise in der Toilette runtergespült werden sollte.
Janine Pastowski bringt in einem Beutel das zum Müll, was normalerweise in der Toilette runtergespült werden sollte.Sabine Gudath

Krank geworden durch die widrigen Umstände

Doch nicht nur das. Durch das Duschen im Container und die kalte Wohnung sei sie schon „richtig krank geworden“, berichtet die 42-Jährige. Die Belastung für sie sei groß – zusätzlich zu einem ohnehin harten Job. Pastowski arbeitet wie ihre Mitbewohnerin in der Pflege.

Der Brand in dem Wohnhaus in der Maulbeerallee brach in den Nacht vom 24. zum 25. August aus, von einem Mittwoch auf einen Donnerstag. Am 25. August seien Strom und Wasser abgeschaltet worden, berichtet Pastowski. Erst nach drei Tagen hätten sie in ein Hotel ziehen können. Nach einer Woche sei den Mietern mitgeteilt worden, dass sie wieder zurück können. Es wurde eine Rückkehr in ein Provisorium.

Weil der Fahrstuhl bis jetzt noch immer nicht funktioniert, müssen die Mieter die Treppe benutzen. „Ich laufe mindestens fünfmal am Tag nach oben“, sagt Janine Pastowski. Zwölf 1,5-Liter-Flaschen hole sie jeden Tag. Das Wasser brauche sie zum Kochen, für den Abwasch oder zum Blumengießen. Zum Wäschewaschen fahre sie mit einem großen Koffer in einen Waschsalon. „Das sind drei Maschinen, die ich wasche, und das muss ich dann nach oben schleppen“, sagt sie. „Jede Woche einmal, an meinem freien Tag.“

Kritik am Vermieter, der landeseigenen Gewobag

Auf die Gewobag ist Pastowski nicht gut zu sprechen. Unter anderem, weil sie sich von ihr schlecht informiert fühlt. Als sie bei einer der angegebenen Telefonnummern angerufen habe, habe sie 45 Minuten gebraucht, um durchzukommen. Dann habe sie sich gewundert, dass die Frau am anderen Ende immer ihre Fragen wiederholte. Als sie die Frau gefragt habe, warum sie immer alles nachspreche, habe diese gesagt, sie müsse die Angaben „doch notieren, um sie weiterzuleiten“. Sie könne die Fragen nicht beantworten. „Ich habe trotzdem keine Antworten bekommen“, so Pastowski.

Ähnlich äußert sich Rentner Uwe Marsiske, der seit 1998 in der Maulbeerallee wohnt. Seine Wohnung liegt im fünften Stock. „Wir sind sehr enttäuscht von der Gewobag“, sagt der Rentner.

„Am Anfang gehörten unsere Wohnungen der GSW. Die hatte ein Büro, zu dem wir hingehen konnten, wenn etwas kaputt war“, so Marsiske. „Heute gibt es nur ein Callcenter, bei dem wir uns melden können. Als ich dort angerufen habe, hieß es, sie sind an 60. Stelle. Da habe ich gleich aufgelegt, denn ich wollte nicht eine Stunde in der Warteschleife hängen.“ Bei einem anderen Anruf, bei dem er an zehnter Stelle war, habe er nämlich eine halbe Stunde gewartet. „Das nervt“, sagt Marsiske. „Denn man landet ja nicht bei der Gewobag, sondern nur bei einem Callcenter, das sich das Problem notiert.“ Was fehlt, sei „ein persönlicher Ansprechpartner“.

Mieter Uwe Marsiske (68) wartet darauf, dass der Aufzug repariert wird. Die Schläuche hinter ihm sind für Wasserzufuhr und Abfluss.
Mieter Uwe Marsiske (68) wartet darauf, dass der Aufzug repariert wird. Die Schläuche hinter ihm sind für Wasserzufuhr und Abfluss.Sabine Gudath

Seit etwa Mitte des Monats geht die Wasserversorgung für die Wohnung von Uwe Marsiske wieder. „Unser Fahrstuhl funktioniert aber weiterhin nicht; Klingel, Lüftung, Festnetz, Internet und Kabelfernsehen funktionieren ebenfalls nicht“, sagt der 68-Jährige. Die Gewobag habe angeboten, dass die Mieter eine Tragehilfe bestellen könnten, berichtet Marsiske. Die Mitarbeiter der Tragehilfe hätten allerdings gesagt, dass es bis zu drei Stunden dauern kann, bis sie da sind. „Da die Außenklingel nicht funktioniert, könnte sich die Tragehilfe aber auch gar nicht bei uns melden“, so Marsiske. „Wir müssten runtergehen und ihr die Tür öffnen.“ Daran habe die Gewobag offenbar nicht gedacht.

„Wir haben die Hilfe deswegen nicht in Anspruch genommen, weil wir sie als sinnlos betrachtet haben“, sagt Marsiske. „Was mich besonders stört, ist, dass der Fahrstuhl noch immer nicht geht – und dass es keine Information dazu gibt, wann er wieder funktioniert. “ Er befürchte, dass „es noch Monate dauert“.

Gewobag: Haben alle notwendigen Maßnahmen veranlasst

Die Gewobag erklärt auf Anfrage: „Wir haben nach dem Brand am 24. August umgehend reagiert und alle notwendigen Maßnahmen veranlasst.“ Dazu gehöre in solchen Fällen auch die Unterbringung in einem nahe gelegenen Hotel. Aufgrund von zahlreichen Veranstaltungen in Berlin seien zu dieser Zeit eine Vielzahl von Hotels ausgebucht gewesen. „Wir konnten innerhalb von 48 Stunden Dusch- und Toilettencontainer zur Verfügung stellen“, so eine Sprecherin. „Schäden an der Strom- und Wasserversorgung wurden zeitnah behoben, sodass der Großteil der Mieter:innen nach wenigen Tagen wieder in ihre Wohnungen zurückkehren konnte.“ Da auch die Gewobag von den „pandemie- und kriegsbedingten Lieferengpässen und Kapazitätsproblemen betroffen“ sei, verzögerten sich Reparaturen leider.

Für nächtliche Notfallsituationen gebe es einen Bereitschafts-Hauswart. Am Morgen nach dem Brand hätten „außerdem Techniker und Kundenberater den betroffenen Mieter:innen als Ansprechpartner zur Verfügung“ gestanden. Der Kontakt mit der Tragehilfe erfolge telefonisch. Da es sich hier um Koordinierungen von Arztterminen oder Einkäufen handele, halte die Gewobag „eine Wartezeit von wenigen Stunden für vertretbar“.

„Den Vorwurf der schlechten Erreichbarkeit können wir nicht nachvollziehen“, so die Unternehmenssprecherin. „Generell können unsere MieterInnen uns telefonisch über die Servicehotline, via E-Mail, über unsere Service-App und bei Notfällen über die 24-Stunden-Reparatur-Hotline erreichen. In der vergangenen Woche hatten wir in unserem Servicecenter eine durchschnittliche Wartezeit von gut sechs Minuten.“

Mieterberater fordert Taskforce für Einsatz nach Bränden

Marcel Eupen, Chef des Alternativen Mieter- und Verbraucherschutzbundes (AMV), hat eine andere Sicht auf das Wohnungsunternehmen. „Anspruch und Wirklichkeit klaffen bei der Gewobag auseinander“, sagt er. Was sich in der Theorie sehr gut anhöre, sehe in der „Praxis leider anders aus“.

Das Krisenmanagement der Gewobag bei Brandfällen lasse mehr als zu wünschen übrig. „Es beginnt mit der schlechten Erreichbarkeit der zuständigen Mitarbeiter, geht weiter über die unzureichende Informationspolitik und endet mit der mehr als schleppenden Mängelbeseitigung“, so Eupen. „Die Mieterinnen und Mieter werden regelrecht im Stich gelassen.“

Es fehle regelmäßig an der Bereitschaft sowie der Fähigkeit, sich in die Situation der Mieter einzufühlen. Eupen: „Man hat den Eindruck, dass Empathie bei den involvierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gewobag ein Fremdwort ist.“

Der AMV wünsche sich in Anbetracht von knapp hundert Bränden seit April 2021 die Gründung einer Taskforce, das heißt einer mobilen Einsatzgruppe, die in Brandfällen für die Mieter rund um die Uhr erreichbar sei und ihnen aktiv mit Rat und Tat zur Seite stehe.