E-Bikes: Zahl der Verkehrsunfälle mit Elektrfahrrädern steigt an

Sie sind schnell, sie sparen Kraft, und sie werden immer mehr. Elektrofahrräder erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, während Elektroautos Ladenhüter sind. Doch wer elektrisch durch Berlin radeln will, sollte vorsichtig sein, weil Auto- und Lkw-Fahrer das überdurchschnittlich hohe Tempo oft unterschätzen. Die Zahl der Unfälle mit solchen Rädern steigt – wenn auch auf niedrigem Niveau. Das wurde am Mittwoch während eines Symposiums über Elektrofahrräder bekannt. Die Unfallforschung der Versicherer hatte eingeladen.

Radfahrer in Berlin sind es gewohnt, dass es Stress mit Autofahrern gibt. Auch Nutzer von Elektrorädern müssen damit rechnen. „Sie werden angehupt, ausgebremst, mit geringem Sicherheitsabstand überholt“, berichtete Polizeioberkommissarin Andrea Barthels, die der Leitung der Berliner Fahrradstaffel angehört. „Das Verhalten vieler Kraftfahrer ist besorgniserregend.“ Für die Elektroradler seien manche Situationen allerdings gefährlicher als für Radler, die sich nur mit Muskelkraft bewegen, sagt Andreas Tschisch, der im Stab des Polizeipräsidenten für den Verkehr zuständig ist. „Sie sind schneller unterwegs.“

Tempo 45 – kein Problem

Tempo 25 wird leicht erreicht. Mit S-Pedelecs sind sogar 45 Kilometer pro Stunde möglich, erst dann endet die Tretunterstützung. Wer bei einem solchen Tempo geschnitten wird und ins Trudeln gerät, muss mit größeren Kräften zurechtkommen, um einen Sturz zu verhindern.

Auch schätzen viele Autofahrer das Tempo solcher Zweiräder falsch ein, etwa dann, wenn sie auf eine Rechts-vor-links-Kreuzung zusteuern. Oft ist Unwissenheit im Spiel, sagte Barthels. Aber auch Vorsatz ist dabei. „Ein Kollege, der selbst ein solches Fahrzeug nutzt, ist mehrmals in so gefährliche Situationen gebracht worden, dass er sie zur Anzeige gebracht hat“, erzählte sie.

Bei Tempo 25 ist Schluss

Während in bergigen Städten bereits bis zu 20 Prozent der Radfahrer elektrisch unterwegs sind, treten in Berlin die meisten Radler noch ohne Unterstützung in die Pedale. Das zeigt sich auch in der Unfallstatistik. Barthels nannte offizielle Zahlen. Demnach wurden im vergangenen Jahr in Berlin nur 15 Unfälle registriert, an denen Pedelecs beteiligt waren – Fahrräder mit einem Elektromotor, der sich bei Tempo 25 abschaltet.

Sieben Unfälle wurden von den Zweiradfahrern verursacht. Zudem gab es 18 Unfälle mit fahrenden E-Bikes und einen Unfall mit einem geparkten E-Bike – unter diesem Begriff werden andere elektrische Zweiräder zusammengefasst. An zwölf Kollisionen waren Zweiradnutzer schuld. Zum Vergleich: 2016 wurden in Berlin 7484 Unfälle mit herkömmlichen Fahrrädern erfasst. Es gibt auch schon Zahlen für dieses Jahr. Sie zeigen einen Anstieg, von einer niedrigen Basis aus. Bis Ende Juli 2017 registrierte die Polizei 10 Pedelec- und 20 E-Bike-Unfälle. In dieser Zeit gab es 2112 Kollisionen, an denen herkömmliche Fahrräder beteiligt waren.

Mit dem Chopper über den Alex

Allerdings: Die tatsächliche Unfallzahl dürfte höher sein. Polizisten erkennen nicht immer, dass sie es mit einem E-Rad zu tun haben, heißt es in Polizeikreisen. Und nicht jeder wisse, dass es in der Unfallstatistik eine Extra-Kategorie dafür gibt. Hauptunfallursache ist ungenügender Sicherheitsabstand. An dritter Stelle folgt „nicht angepasste Geschwindigkeit“. „Das werden wir im Auge behalten“, so Barthels. Manch ein Pedelec-Besitzer erliege der Verlockung, sein Fahrzeug zu tunen.

Schon mehrmals fielen der Fahrradstaffel skurrile Eigenbauten ins Auge. Zu ihnen gehörte ein Chopper Bike, das an eine Harley Davidson erinnerte. Damit ließe sich entspannter fahren, erfuhren die Polizisten. Ein anderer Bastler fiel auf, als er zu schnell durch die Fußgängerzone Alexanderplatz fuhr. Auch sein Zweirad galt durch die Umbauten nicht mehr als Fahrrad, sondern als Kraftfahrzeug, was ihm ebenfalls eine Anzeige wegen eines Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz eintrug. Weil er versuchte, schnell wegzufahren, kam eine Anzeige wegen Widerstands dazu. Vor Gericht wurde es dann teuer: Der Zweiradbastler musste 60 Tagessätze á 30 Euro zahlen.