E-Zigaretten: Blauer Dampf

Berlin - Kein blauer Dunst mehr, sondern Dampf, kein schädlicher Teer mehr für die Lunge - die elektronische Zigarette gilt als Lifestyle-Produkt. Nicht nur im Internet können sogenannte E-Zigaretten erworben werden, sondern zunehmend auch im Einzelhandel. Doch Experten warnen: Diese E-Zigaretten könnten ähnlich schädlich wirken wie richtige Tabakwaren. Denn die meisten sind ebenso wie diese mit Nikotin und Aromen gefüllt, andere mit nur mit aromatischen Substanzen. Was diese im menschlichen Körper anrichten, sei noch nicht erforscht.

Anfang dieser Woche hat das Lebensmittelaufsichtsamt des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf den Verkauf von E-Zigaretten in einem Reisebüro untersagt. Darüber freut sich besonders Johannes Spatz, Sprecher des Berliner Aktionszentrum Forum Rauchfrei. „Der Gebrauch von E-Zigaretten hat ein unkalkuliertes Risiko“, sagt Johannes Spatz. Es gebe noch keine Studien, welche Schadstoffe dabei auftauchen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte habe bereits im Juli 2009 ein Produkt einer nikotinhaltigen E-Zigarette als zulassungspflichtiges Fertigarzneimittel eingestuft. Damit darf diese E-Zigarette nicht ohne vorherige Zulassung, die eine strenge Prüfung voraussetzt, in den Verkehr gebracht werden.

Unzugelassenes Arzneimittel?

Das Verbot in Charlottenburg-Wilmersdorf ist für Spatz „ein erster Schritt in die richtige Richtung.“ Allerdings wohl eher ein zufälliger, wie der Stadtrat für Ordnungsdienste Marc Schulte (SPD) einräumt: Dem Reisebüro sei der Handel nämlich nur aus gewerberechtlichen Fragen untersagt worden. In Marzahn-Hellersdorf beruft sich Stadtrat Christian Gräff (CDU) auf ein Gutachten des Landesamtes für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit, das E-Zigaretten als nicht zugelassene Arzneimittel qualifizierte. „Deshalb haben wir bereits einmal den Handel untersagt und werden das weiterhin tun.“

„Es muss immer der Einzelfall betrachtet werden“, sagt Regina Kneiding, Sprecherin von Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU). Wenn auf den E-Zigaretten stehe, dass Nikotin enthalten sei oder diese zur Raucherentwöhnung dienen, würden sie als Arzneimittel eingestuft. „Weil sie keine Zulassung haben, dürfen sie nicht verkauft werden.“ Nikotinfreie elektronische Zigaretten gelten laut Kneiding zwar nicht als Arznei, aber ebenfalls als nicht zugelassene Produkte: „Diese dürften dann eigentlich auch nicht verkauft werden.“ Kontrollieren müssten das die Bezirke, diese seien für den Einzelhandel zuständig.

Kneiding gibt zu, dass es bisher noch kein koordiniertes Vorgehen gibt: „Man braucht auch auf EU-Ebene neue Einstufungen solcher Produkte.“ Es sei davon auszugehen, dass sich da noch in diesem Jahr etwas tue, sagt sie.