Berlintouristen werden an der buntbemalten ehemaligen Hinterlandmauer zwischen Kreuzberg und Friedrichshain irgendwann wieder besser nachvollziehen können, wie die DDR-Grenze die beiden Stadthälften trennte. Das ist durch eine Reihe von Durchbrüchen, die nach 1989 in das längste erhaltene Berliner Mauerstück geschlagen wurden, nur noch schwer möglich. Wenigstens an der Stelle, an der 2013 für den Bau eines Hochhauses eine neue Lücke in die Mauer gerissen worden war, sollen die vom Bauherrn Maik-Uwe Hinkel unter heftigen Protesten entnommenen Mauerelemente wieder in die Mauer zurückgestellt werden.

Das stellte Senatssprecher Richard Meng in Aussicht. In Gesprächen mit Hinkel sowie einem israelischen Investor und beteiligten Verwaltungen sei man einer Lösung recht nahe gekommen, sagte Meng. Einzelheiten teilte er nicht mit, jedoch dürfte nach allem, was bislang bekannt ist, ein Kompromiss wie folgt aussehen: Hinkel schließt die Mauerlücke. Die Original-Betonsegemente sind noch vorhanden.

Deal mit Hoteleignern

Die Zufahrt zu seinem „Living Levels“-Luxus-Wohnturm wird stattdessen über das Nachbargrundstück geführt, auf dem eine israelische Gruppe einen über 100 Meter langen Hotelriegel errichten will. Für das Hotel-Grundtück existiert bereits eine Mauerlücke. Weil durch die Zufahrt Platz für das Hotel verloren geht, sollen dessen Bauherren die Erlaubnis bekommen, den Bau aufzustocken, es ist von zusätzlich rund 1700 Quadratmetern die Rede. Hinkel war am Sonntag dazu nicht zu erreichen. Ob er zustimmt und unter welchen Bedingungen, ist offen.

Rechtlich ist er zur Rekonstruktion der Mauer nicht verpflichtet, denn der grünregierte Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hatte ihm die Genehmigung erteilt, zur Erschließung seines Projekts eine gut sechs Meter breite Lücke in den denkmalgeschützten DDR-“Schutzwall“ zu reißen. Die wird mindestens für die Bauzeit von Hochhaus und Hotel als Baustellenzufahrt offen bleiben.

Senatsverwaltung muss entscheiden

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg stellte sich gegen die von der Senatskanzlei avisierte Lösung. Er lehnte die vorgesehene Aufstockung des Hotels ab, „weil sie nicht den Vorgaben des geltenden Bebauungsplans entspricht“, erläuterte der zuständige Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne). In der Bezirksverordnetenversammlung gebe es nicht den politischen Willen, den Hotelinvestoren ihr Einlenken mit einer höheren Grundstücksausnutzung „zu versüßen.“ Der Investor gewinne durch die Aufstockung deutlich mehr an Fläche, als er durch die beabsichtigte Zufahrtsregelung verliere.

Da die Firma aber Widerspruch gegen den ablehnenden Bescheid des Bezirks eingelegt hat, über den die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung entscheidet, ist die Meinung des Bezirksamts in dieser Angelegenheit nicht mehr relevant. Panhoff sagte, er werde sich einer Schließung der Mauerlücke nicht entgegenstellen. „Es ist aber eine andere Frage, ob man angesichts der großen Gebäude von der Mauersituation an der East Side Gallery künftig überhaupt noch etwas wahrnimmt“.