Easyjet hebt ab. Doch viel mehr Starts als heute sind in Berlin nicht geplant. 
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Berlin-SchönefeldMit über 30 Prozent Marktanteil ist sie die größte Airline in Berlin. Jetzt baut die britische Fluggesellschaft Easyjet ihr Engagement in der deutschen Hauptstadt weiter aus. Am Montag kündigte Deutschland-Chef Stephan Erler an, dass Instandhaltungsarbeiten in eigene Regie übernommen werden. „Wir wollen zwei Millionen Euro in einen eigenen Wartungsbetrieb investieren und 80 Arbeitsplätze schaffen“, sagte Erler in Schönefeld. 

Zurückhaltend reagierte er auf Fragen, ob Easyjet mit der Eröffnung des BER in Berlin weiter auftrumpfen wird. Derzeit steuere die Airline von hier aus rund 90 Ziele an. „Daran halten wir fest“, so der Easyjet-Manager. Es werde lediglich geprüft, ob die eine oder andere Destination hinzu kommt.

Kurze Wartungsarbeiten

Bei dem Investitionsprojekt geht es um die „Line Maintenance“ – also um Fehlerbehebungen und kurze Wartungsarbeiten wie Reifenwechsel oder Hydraulikprüfungen. Dazu wird das Flugzeug nicht in einen Hangar gebracht, die Techniker kommen direkt zu den Maschinen, wenn diese an den Parkpositionen stehen.

Bislang lässt Easyjet die Instandhaltungstätigkeiten von anderen Firmen ausführen – zum Beispiel von der Lufthansa Technik. „Doch je mehr Fluggerät an einem Ort stationiert ist, desto mehr muss koordiniert werden“, erklärte Erler. Interne Berechnungen hätten ergeben, dass es wirtschaftlicher sei, diese Arbeiten in Berlin selbst auszuführen.

Schließlich ist Berlin nach London-Gatwick der zweitgrößte Standort der Airline. Easyjet hat in Tegel 23 Flugzeuge stationiert, in Schönefeld zwölf. Reservemaschinen kommen noch hinzu. Zunächst will Easyjet im Frühsommer 2020 in Schönefeld die Line Maintenance für sich übernehmen, ab Oktober 2020 am BER – dann soll der Flughafen ans Netz gehen. Es wird die erste Wartungsstation von Easyjet außerhalb Großbritanniens sein. Am BER wird die Airline das Terminal 1 nutzen.

1500 lokale Arbeitsverträge

In diesem Jahr werde sich die Fluggesellschaft weiter auf Berlin fokussieren, so der Deutschland-Chef der Airline. Der Flugplan werde weiter optimiert, und es werde überlegt, welche Destinationen noch hinzukommen könnten, sagte Stephan Erler. Allerdings strebe Easyjet für dieses Jahr kein großes Wachstum an.

Im Geschäftsjahr, das im September 2019 endete, hat Easyjet insgesamt rund 96 Millionen Passagiere befördert. „Der Anteil von Berlin beträgt zehn Prozent“, sagte Stephan Erler. In der deutschen Hauptstadt, wo Easyjet seit bald 16 Jahren präsent ist, sind auch Easyjet-Crews stationiert – Piloten, Kabinen- und Bodenpersonal. „Schon jetzt haben wir hier rund 1500 lokale Arbeitsverträge nach deutschem Arbeitsrecht“, so Erler.  Mit der Gewerkschaft Verdi hat dir Airline Tarifverträge vereinbart. Es sind Gepflogenheiten, die in der Billigfliegerbranche unüblich waren.

Suche nach Fachkräften fordern Arbeitsagenturen

Die Suche nach Fachkräften dürfte schwierig werden. Mit der Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER Ende Oktober ist die Arbeitsagentur bereits beschäftigt: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Firmen bei der Suche nach Arbeitskräften zu unterstützen, die Aufträge für den BER haben“, sagte Becking. Für Juni sei für diesen Zweck eine Jobbörse in Schönefeld geplant. Es sei davon auszugehen, dass ein Teil der Mitarbeiter vom Flughafen Tegel nicht zum BER wechsele. „Auch denen, die in Tegel bleiben wollen, werden wir bei der Arbeitsplatzsuche helfen“, sagte Becking.

Auch die Ansiedlung des US-Elektroautoherstellers Tesla im brandenburgischen Grünheide beschäftigt die Arbeitsvermittler schon jetzt. „Wir sind dabei abzugleichen, welche Profile werden benötigt, welche Qualifikationen brauchen Arbeitssuchende“, sagte Bernd Becking, der Chef der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg am Montag. Die neuen Stellen bei Tesla seien eine Chance für Menschen in der Region, die ihre Arbeit verlieren.