„Verkatert, gebildet, ungekämmt“, sagt einer dieser Mittzwanziger und beugt sich dabei gequält über den Küchentisch. Ein anderer, blond, drahtig, Yankees-Cap, hat gerade wieder einen Artikel veröffentlicht. Bezahlung? Fehlanzeige. „Aber es geht schon“, sagt er. „Ich habe jetzt erst mal mein Konto überzogen, und meinen Eltern gesagt, dass es gerade schwierig ist. Aber das kennst du ja alles.“

Damit ist auch schon abgesteckt, worum sich die Serie „Ecke Weserstraße“ dreht: Um Vertreter der sogenannten Generation Y nämlich. Eine vielbesungene Personengruppe, die sich mitunter dadurch auszeichnet, dass ihre Mitglieder akademisch ausgebildet und internetaffin sind und nicht erst nach der Arbeit Erfüllung suchen, sondern währenddessen, um sich dann schließlich in unterbezahlten Agentur-Jobs in Berlin wiederzufinden.

Die dritte Folge der „Hipster-Soap“

In "Ecke Weserstraße heißen sie Emma, Tom und Vincent. Im Mai ist die dritte Folge der Webserie erschienen, deren erster Teil bereits 2014 für Wirbel sorgte. Schnell kursierte die Bezeichnung „Hipster-Soap“. Es gab Lob, aber auch kritische Stimmen. Denn wenn die mittlerweile leere Worthülse „hip“ mit dabei ist, fühlt sich immer jemand auf den Schlips getreten.

Die beiden Macher von „Ecke Weserstraße“, Johannes Hertwig und Hayung von Oepen, sitzen in einem Café in Berlin-Neukölln an einer Ecke zur Weserstraße — wo auch sonst, klar. „Wir haben uns von der US-Serie 'Girls' inspirieren lassen“, sagt Hertwig. „Oder auch von dem Film 'Frances H'." Das Coming-of-Age-Thema sei nicht neu, aber in dieser Form habe man es noch nicht vor der Kulisse Berlin oder Neukölln gezeigt.

Während die erste Episode noch als Hobby produziert wurde, wurde das Projekt mit der zweiten Folge auf eine andere Ebene gehoben. Dank einer Crowdfunding-Kampagne konnten Hertwig und von Oepen mit einem größeren Budget arbeiten. Das Team wurde vergrößert und die Arbeit professionalisiert. „Unsere Freunde haben uns bei der Umsetzung technisch unterstützt, aber auch ihre Wohnungen als Drehorte zur Verfügung gestellt und als Statisten mitgewirkt", sagt von Oepen.

Problemschulen und Suffkneipen? Eher nicht

Warum überhaupt Neukölln? Problemschulen, kreatives Prekariat, Gentrifizierung, Arbeitslosigkeit, Suffkneipen: Sind das Themen in „Ecke Weserstraße“? Hertwig und von Oepen haben den Stadtteil Neukölln nicht in seiner Vielfalt abgebildet — was sie auch gar nicht wollten.

„Wir greifen auf, was uns im Leben begegnet“, erklärt von Oepen. Bei ihm und Hertwig sind das vor allem vor sich hinkrebsende Blogger, Galeriepartys und Wohlstand-Kids, die nicht mehr erfolgreich, sondern lieber zufrieden sein wollen und deren Glückssuche ihnen manchmal ganz schön zusetzt. Herzeleid, Futterneid und immer wieder die Frage danach, was das eigentlich alles soll, treiben die drei Hauptfiguren vor sich her. In diesen Dingen ergeht es zugezogenen Neuköllnern auch nicht anders als anderen Mitgliedern ihrer Generation.