Drogenkonsum an Berliner Schulen – für Kerstin Jüngling ist das nichts Ungewöhnliches. „Ich glaube, dass es in Berlin keine drogenfreie Schule gibt“, sagte die Leiterin der Fachstelle für Suchtprävention am Freitag der Berliner Zeitung. Ihre Referenten treten in allen Bezirken an Schulen auf, um aufzuklären und Kindern sowie deren Eltern zu helfen. „Der Konsum von Drogen bei Kindern und Jugendlichen macht in einer globalisierten Welt an keiner Bezirksgrenze halt“, stellte Jüngling fest.

Ecstasy an Schulen: „alarmierende Vorkommnissen“ bei Jugendlichen

Die Leiterin der Fachstelle reagierte damit auf Berichte des Marzahn-Hellersdorfer Jugendstadtrates Gordon Lemm und der Berliner Drogenbeauftragen Christine Köhler-Azara. Der SPD-Politiker Lemm hatte in dieser Woche öffentlich gemacht, dass es in seinem Bezirk ein Problem mit Ecstasy bei Schülern gebe.

Vor knapp drei Wochen hätten Vertreter der Drogen- und Suchtberatung von „alarmierenden Vorkommnissen“ berichtet, so Lemm am Freitag. Zehn bis 15 Kinder und Jugendliche hätten in jüngster Vergangenheit Hilfe bei der Suchtberatung gesucht. „Weniger die Anzahl der Vorfälle, als vielmehr das Alter“ der Betroffenen hätten nicht nur ihn schockiert, sagte der Jugendstadtrat. In zwei Fällen seien elfjährige Mädchen betroffen gewesen. Zudem habe es die bunten Pillen offenbar schon für 1,50 Euro gegeben – sie waren also mit Taschengeld finanzierbar.

Marzahn-Hellersdorf geht mit dem Problem Drogen an Schulen richtig um

Lemm sagte, am letzten Schultag sei das Thema mit Vertretern von Polizei, Jugendamt, Gesundheitsamt, Drogenberatung sowie Streetworkern beraten. Von den Schulen sei ihm bestätigt worden, dass seit ein paar Monaten Kinder und Jugendliche ein Ecstasy-Problem hätten. „Wir scheinen der einzige Bezirk zu sein, bei dem dieses Problem aufgefallen ist“, so Lemm.

„Die Situation, wie sie sich in Marzahn-Hellersdorf darstellt, ist für Berlin ungewöhnlich. Aus anderen Bezirken kennen wir das Problem so nicht“, sagte Christine Köhler-Azara. Berlins Drogenbeauftragte. Es sei ungewöhnlich, dass Kinder im Alter von zwölf und 13 Jahren Ecstasy konsumieren. Marzahn-Hellersdorf sei mit dem Problem vorbildlich und offen umgegangen, lobte Köhler-Azara. Die Verantwortlichen hätten alle Beteiligten umgehend an einen Tisch geholt.

Eltern sollen bei Verdacht auf Drogen mit Kindern reden

Noch vor ein paar Tagen war in verschiedenen Medien berichtet worden, dass auch Neukölln ein Ecstasy-Probleme bei Kindern habe. Allerdings konnte der dortige Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU) diese Meldung nach Rücksprache mit dem Jugendamt, Suchthilfeträgern und Sozialarbeitern nicht bestätigen. In der Vergangenheit habe es Vorfälle an Schulen gegeben, räumte er ein. Zum Beispiel an der Kepler-Oberschule. Dort hätten Drogenhändler Marihuana verkauft: „Mithilfe der Polizei und der Schulleitung konnten die Dealer aber vertrieben werden“, sagte Liecke.

Kerstin Jüngling rät Eltern, bei einem Drogenverdacht mit ihren Kindern zu reden. „Suchtprävention geht nicht mit Kontrolle“, sagte sie. In mehr als tausend Beratungsgesprächen hätten ihr Eltern erzählt, dass sie Drogen im Rucksack oder Zimmer ihres Kindes gefunden hätten. „Aber sie haben mit ihren Kindern nicht einmal darüber gesprochen“, wunderte sich Jüngling. Drogenprävention funktioniere aber nun einmal nur mit Vertrauen in der Familie.