Berlin - Es sind winzige Bröckchen, die Dieter Jung fest verstöpselt in Reagenzgläschen aufbewahrt. Die streichholzkopfgroßen Krümel sind sein Schatz, sie sind aus purem Gold. Der ausgebildete Chemiefacharbeiter, heute Umweltberater, hat den Schatz selbst gehoben. In der Berglandschaft Thüringens war er vor zehn Jahren erstmals erfolgreich auf Goldsuche, seit einiger Zeit ist er mit seiner Waschpfanne immer öfter am Ufer des Müggelsee unterwegs. Meist hat er zwar unter all dem Sand, den die letzte Eiszeit vor 10.000 Jahren mit sich gebracht hat, nur Flitter gefunden, wie die winzigsten Goldteilchen heißen. Sie sind nur 0,1 bis 1 Millimeter groß.

Aber auch einige größere Körner stecken inzwischen in den Reagenzgläschen. „Schön wäre es ja, mal auf einen richtigen Nugget zu stoßen“, sagt der 61-Jährige. Nuggets sind mehr als 5 Millimeter groß, der größte Nugget der Welt wurde im 19. Jahrhundert in Australien gefunden – er soll etwa 286 Kilogramm gewogen haben. So etwas ist am Müggelsee kaum zu erwarten. Obwohl Jung mit seinen Funden keine Reichtümer anhäuft, bleibt er als Goldsucher aktiv: „Es macht einfach Spaß, ist Entspannung in der Natur.“

Milliarden Jahre alte Geschichten

Die Leidenschaft für die Schatzsuche teilt Jung mit anderen. Er ist im Verein geoschub aktiv, eine Abkürzung für „Deutsche Gesellschaft für geologische Schüler- und Volksbildung“. Gerade hat der Verein im „Grünen Haus“ in Hellersdorf das kleine Geomuseo Edelsteinplanet eröffnet. Bisher sind in den Vitrinen 300 besondere Steine, Mineralien und Fossilien ausgestellt – Rhodonit aus den USA, Turmalin aus Pakistan, Achat aus Brasilien, aber auch ein Pyrit aus Mahlsdorf, ein Abdruck eines urzeitlichen Farnwedels aus dem Saarland und ein versteinerter Nashornwirbel aus Niederlehme in Brandenburg.

„Wir haben noch etwa eine Million Steine im Fundus“, sagt Herbert Schlegel, der geoschub-Vorsitzende. Die befinden sich in Kisten in Kellern bei den Mitgliedern. „Etwa 36 Kubikmeter lagern dort.“ Schlegel hofft deshalb, dass das Museo bald wächst, neue, größere Räume bekommt. Seine Vision geht noch weiter – er möchte, dass möglichst in allen Berliner Bezirken geologische Museen entstehen und vielleicht sogar ein zentrales Berliner Geologiemuseum aufgebaut wird. „Man wird ja noch mal träumen dürfen“, sagt er.

Der 76-Jährige, der an der Humboldt-Universität Geologie studiert hat und in der DDR Lager von Bodenschätzen wie Erdöl, Erdgas, Braunkohle und Eisenerz erkundete, gibt gern sein Wissen weiter. Vor der Wende war er an Schulen bei Arbeitsgemeinschaften tätig, seit den 90er-Jahren leitet er Hellersdorfer Hobbygeologen an. „Jeder Stein ist doch faszinierend“, sagt er. „Er enthält so viel Milliarden Jahre alte Geschichte, es ist spannend, wenn man die rauskitzeln kann.“

Zu den Vorträgen, Kursen und Gesprächen im Geoclub im Grünen Haus kann jeder kommen, der Eintritt kostet nichts. Auch für Exkursionen, die zum Beispiel zu Kiesgruben oder auf Äcker in Brandenburg führen, an den Ostseestrand oder zum Goldschürfen am Müggelsee, muss nur das Fahrgeld bezahlt werden. „Wir wollen auch Leuten mit kleinem Geld die Möglichkeit zur Bildung bieten“, sagt Schlegel.

Auch der Lichtenberger Geologie-Student Daniel Stolzenbach (35) und der in Brandenburg wohnende Ingenieur Harald Fuchs (48) haben ihren Weg in das Hellersdorfer „Grüne Haus“ gefunden. Stolzenbach sieht das Mitwirken im Verein als Ausgleich für das eher theoretische Studium, und Fuchs kann dort auch ein wenig von seinem zweiten Hobby, der Archäologie, einbringen. Im Mai wird er deshalb dort einen Vortrag über archäologische Ausgrabungen in Berlin und Brandenburg halten.

Geomuseo Edelsteinplanet: Grünes Haus für Hellersdorf, Boizenburger Straße 52. Mo–Sa geöffnet von 14–18 Uhr. Führungen und Exkursionen können längerfristig unter Tel. 99 2743 82 oder 562 98081 vereinbart werden.