Berlin - Eklat im Baukollegium: Das Gremium, das Senatsbaudirektorin Regula Lüscher in Fragen der architektonischen Gestaltung berät, hält die Pläne für das 140 Meter hohe Bürohaus Edge East Side an der Warschauer Brücke für nicht gelungen. Das Problem: Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat das Projekt bereits genehmigt.

Edge-Tower soll einer der höchsten Türme der Stadt werden

„Nach viermaliger Beratung im Baukollegium konnte die vorgeschlagene Überarbeitung des Entwurfes für den Sockelbereich und die Umgebungsgestaltung des Edge an der Warschauer Brücke das Baukollegium weiterhin nicht überzeugen“, berichtet Behördensprecherin Petra Rohland am Dienstag. Fragen zum Konstruktionsraster, zum Rhythmus der Stützen und Träger seien „nicht angemessen bearbeitet“ worden. Das zu Beginn vorgegebene Thema „Rough & Wild“ zur besseren Integration des Hochhauses im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg sei nicht adäquat umgesetzt worden. Andere Teilnehmer der Beratung vom Montagnachmittag werden noch deutlicher. Bei den Überarbeitungen seien lediglich neue Ansichten produziert worden, die das ambitionierte Projekt „banalisiert“ hätten.

Etwa mit Rankgittern im Sockelbereich und eingefärbten Strukturplatten für die Fassade. Besonders tragisch sei, dass der Bezirk die Baugenehmigung bereits erteilt habe. Der Fall zeige beispielhaft das Dilemma, dass der Gesetzgeber hierzulande die Baukultur nicht im Repertoire habe.
Mehrere treppenartige Schlitze in der Fassade sind das auffälligste Kennzeichen des 140 Meter hohen Büroturms, der vom Architekturbüro Bjarke Ingels Group (BIG) aus Kopenhagen entworfen wurde. Die Dänen haben sich unter drei Bewerbern mit ihrem Entwurf durchgesetzt. Ihr massiver Turm soll einer der höchsten in der Stadt werden, höher noch als das Zoofenster mit dem Hotel Waldorf Astoria sowie das Upper West, die jeweils rund 118 Meter weit aufragen. Im Gegensatz zu den eleganten Türmen am Breitscheidplatz kommt der geplante Baukörper an der Warschauer Brücke jedoch eher klobig daher.

Edge-Tower in Friedrichshain soll bis 2023 errichtet werden

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg habe die Baugenehmigung erteilen müssen, weil das Projekt dem gültigen Bebauungsplan aus dem Jahr 2004 für das Areal entspreche, sagt Bezirksamtssprecherin Sara Lühmann auf Anfrage. Das Baukollegium sei mit gestalterischen Fragen befasst gewesen. „Diese können durchaus parallel zum Baugenehmigungsverfahren behandelt werden“, so Lühmann. Hätten sich daraus noch Änderungen ergeben, die bauordnungsrechtlich von Belang sind, hätte der Bauherr diese nachreichen oder als Nachtrag zum Bauantrag einreichen können. Insofern sei die Abstimmung im Baukollegium auch zu diesem Zeitpunkt noch sinnvoll gewesen.

Bauherr des Hochhauses ist der Projektentwickler Edge, ein Unternehmen der OVG Real Estate, dem größten Projektentwickler in Holland. Der Turm soll bis 2023 errichtet werden und auf 36 Geschossen rund 65.000 Quadratmeter Platz bieten. Edge hat das Projekt erst vor kurzem an ein Joint Venture aus Allianz Real Estate und Universal-Investment verkauft.

Der Investor zeigt sich nach der Kritik aus dem Baukollegium nachdenklich. „Die gestrige Position des Baukollegiums hat uns überrascht, und wir prüfen, welche Schlussfolgerungen wir für unser Projekt nun ziehen werden“, sagte Frank Jansen, der Pressesprecher von Edge, am Dienstag. „Wir möchten im Austausch bleiben und werden daher die von Frau Lüscher signalisierte Gesprächsbereitschaft gerne aufnehmen“, so Jansen.