Der 1. Oktober ist ihr Tag. Am Sonntag werden Bodo Mende und Karl Kreil heiraten. Die Männer sind das erste homosexuelle Paar in Berlin, das in einem Standesamt den Bund fürs Leben schließen wird. Seit 38 Jahren lebt der 60-jährige Beamte Mende mit seinem 59 Jahre alten Partner zusammen. Seit 38 Jahren haben sie auf diesen Tag gewartet, ab dem nun nach der Bundestagsentscheidung die „Ehe für alle“ endlich möglich ist.

Für Bodo Mende ist Karl sein Ein und Alles. „Ein guter Freund, ein guter Berater – und mein Mann“, sagt er. Am 14. Juli 1979 hatten sich die Männer auf einer Geburtstagsparty kennengelernt. „Kurze Zeit später stand für uns fest, dass wir eines Tages heiraten werden. Auch wenn es damals nicht möglich war, glaubten wir ganz fest daran, dass wir eines Tages im Standesamt unsere Liebe öffentlich besiegeln können.“

Standesämter öffnen sonntags

Mende hat nicht nur an diesen Tag geglaubt. Er hat auch als Vorstandsmitglied des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) dafür gekämpft. „Als 1992 in einigen skandinavischen Ländern das Eintragen der Lebenspartnerschaft für Gleichgeschlechtliche möglich war, sind wir mit anderen Paaren in Berlin zum Standesamt gegangen, um dies auch für uns durchzusetzen“, erzählt er. In Deutschland war das erst ab 2001 möglich. Über 10000 Berliner Paare sind es bis heute, die ihre gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft auf dem Standesamt eintragen ließen. Für die Schwulen und Lesben galt das bisher als Hochzeit. „So war es auch bei uns, als wir am 19. Oktober 2002 als erstes homosexuelle Paar im Roten Rathaus unsere Partnerschaft eintragen ließen“, sagt Mende.

15 Jahre später können Mende und Kreil nun heiraten. „Für uns ist es ein Symbol, dass wir das gleich am Stichtag können, obwohl der 1. Oktober ja ein Sonntag ist, Standesämter eigentlich geschlossen sind“, sagt Mende. „Das Standesamt im Rathaus Schöneberg öffnet für uns.“ Auch in Friedrichshain-Kreuzberg wird ein Standesamt geöffnet. „Insgesamt elf gleichgeschlechtliche Paaren werden am Sonntag in Berlin heiraten“, sagte Jörg Steinert, der Geschäftsführer des Berliner Lesben- und Schwulenverbandes.

Wie viele Paare folgen werden, ist unklar. „Nach unseren Erkenntnissen ist trotz der Ehe für alle der Andrang der Lesben und Schwulen auf die Berliner Standesämtern nicht so groß“, erklärte Steinert. „Viele Paare lassen sich wohl noch Zeit, wollen vielleicht auch keine große Zeremonie, sondern später einfach nur ihre eingetragene Lebenspartnerschaft formell in eine Ehe umwandeln lassen. Das geht auch.“

Ein Ansturm auf die Standesämter ist auch in Brandenburg nicht zu erwarten, wie eine eine dpa-Umfrage ergab. In Potsdam hatten sich kurz vor und seit der Verkündung des Gesetzes einzelne Paare für schnellstmögliche Termine interessiert. Für den 2. Oktober sei nun eine gleichgeschlechtliche Eheschließung geplant, sagte ein Sprecher der Landeshauptstadt. Bislang hätten sich zwölf Paare angemeldet. Die Standesbeamten könnten sich noch nicht darauf vorbereiten, weil die Beurkundungssoftware das nicht zulasse. Die notwendigen Programmänderungen erfolgten zum 1. Oktober, früher könnten keine Unterlagen ausgedruckt werden.

Veraltete Software

„Die politische Entscheidung urkundentechnisch in Rekordzeit umzusetzen, ist für alle Beteiligten eine große Herausforderung“, heißt es in einer schriftlichen Antwort aus dem Rathaus von Oranienburg. Anträge auf Umwandlung könnten zwar schon gestellt werden, es gebe aber noch keine Trauungstermine. Für die erste Oktoberwoche sei mit einer erhöhten Zahl an Anträgen zu rechnen. In Brandenburg/Havel, Cottbus und Bernau sind bislang Anmeldungen im einstelligen Bereich eingegangen. In Brandenburg wie Berlin gebe es allerdings noch ein Problem. Da die Software zur Eintragung ins Personenregister nicht auf gleichgeschlechtliche Ehen angepasst wurde, werden weiter die Bezeichnungen Mann und Frau geführt. Erst im Jahr 2018 sei eine Änderung zu erwarten. (mit dpa)