Potsdam - Wolfgang L. nahm das Urteil äußerlich gelassen auf, den Blick lange Zeit auf seine zwei Kinder gerichtet, die ihm als Nebenkläger gegenübersaßen. Der 65-Jährige aus Potsdam-Marquardt muss wegen Mordes an seiner Ehefrau eine lebenslange Freiheitsstrafe verbüßen. Er habe heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen gehandelt, urteilten die Richter der Schwurgerichtskammer des Potsdamer Landgerichts am Donnerstag. Zudem stellten sie die besondere Schwere der Schuld fest. Damit kann Wolfgang L. nicht nach 15 Jahren Haft auf Bewährung entlassen werden.

Die 40 Jahre alte Dorota L. habe sich von ihrem despotischen und gewalttätigen Mann trennen und mit einem anderen Mann ein neues Leben aufbauen wollen, sagte Theodor Horstkötter, der Vorsitzende Richter, in der Urteilsbegründung. Doch Wolfgang L. habe die Trennung nicht akzeptiert und seiner Frau das neue Glück nicht gegönnt. Er habe ihr das Recht auf Leben abgesprochen und geplant, sie zu töten, sollte sie nicht zu ihm zurückkehren.

Bei einem von Wolfgang L. arrangierten Treffen am 11. Mai vorigen Jahres in der neuen Wohnung seiner Ehefrau und der beiden Kinder weigerte sich Dorota L. zurückzukehren. Bei dem dann erfolgten Angriff des Angeklagten war Dorota L. völlig arg- und wehrlos. Mit einem Messer und einer Schreckschusswaffe habe Wolfgang L. seine vor ihm fliehende Frau verfolgt, sie im Garten eingeholt und letztlich fünfmal auf sie eingestochen – wuchtig und gnadenlos, wie der Richter betonte. Dann habe er ihren Kopf im Gartenteich mindestens vier Minuten lang unter Wasser gedrückt – unter den Augen der elf und 14 Jahre alten Kinder.

Schon frühere Partnerschaften hätten zeigten, dass Wolfgang L. Frauen nicht einfach so gehen gelassen habe, wenn sie ihn verlassen wollten, sagte Horstkötter. Der Angeklagte habe seine Partnerinnen bedroht, belauert, kontrolliert, geschlagen. Wolfgang L. habe Frauen als seinen Besitz angesehen. Auch Dorota L. habe er für die Trennung bestrafen wollen.

Der Richter erklärte, dass sich Wolfgang L. im Prozess durchgehend als Opfer dargestellt habe, der von seiner Frau an jenem Tag getötet werden sollte. Horstkötter nannte diese Aussage eine „Geschichte wie aus einem Groschenroman“ – „völlig absurd, konstruiert und an den Haaren herbeigezogen“, widerlegt durch die Beweisaufnahme.

Die besondere Schwere der Schuld erkannte die Kammer an, weil der narzisstisch veranlagte Angeklagte mit einem „maßlosen absoluten Zerstörungswillen“ gehandelt habe. Verheerend sei, dass Wolfgang L. die Tötung vor den Augen der Kinder begangen und seine Macht dabei ausgekostet habe. Wolfgang L. hatte seinem Sohn, der seiner Mutter zu Hilfe eilen wollte, mit der Schreckschusswaffe ins Gesicht geschossen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Noch bevor der Richter seine Urteilsbegründung beenden konnte, kündigte Wolfgang L. an, in Berufung zu gehen.