Ehemalige DDR-Pädagogen profitieren nicht von der Höherstufung des Grundschullehrer Gehaltes

Was der Senat für einstige DDR-Lehrer plant, dürfte es im öffentlichen Dienst in Berlin eigentlich gar nicht mehr geben: Eine ungleiche Bezahlung für Mitarbeiter, abhängig davon, ob sie aus dem Osten oder Westen stammen. Seit 1996 werden Landesbedienstete in Berlin schließlich gleich bezahlt. Doch nun soll die Herkunft wieder über die Höhe des Lohns entscheiden.

Es geht um die in der DDR ausgebildeten Lehrer für die unteren Klassen, die nach der Wende als Grundschullehrer übernommen wurden. Sie sollen von der beschlossenen Höherstufung des Grundschullehrergehaltes ausgeschlossen werden. „In der neuen Verordnung sind sie nicht vorgesehen, das ärgert uns“, sagt GEW-Tarifexperte Udo Mertens. Jene Lehrer sollen auf 500 Euro brutto verzichten. Mehr als 1500 dieser Grundschullehrer sind noch tätig, vor allem in den östlichen Bezirken.

„Wir empfinden es als sehr ungerecht, dass wir nicht vorkommen“, sagt ein 59-jähriger Grundschullehrer aus Hellersdorf, der anonym bleiben will. Seit Jahrzehnten unterrichtet der Mann Grundschulkinder. An seiner Schule ist er nur einer von mehreren Luk-Lehrern. Die Abkürzung Luk bedeutet Lehrer für die unteren Klassen. Das sind Lehrer, die vier Jahre an den DDR-Instituten für Lehrerbildung ausgebildet wurden – und dann als Lehrer, aber auch als Erzieher zum Einsatz kamen.

Große Verunsicherung nach der Wende

„Zwei unserer Luk-Lehrer kümmern sich auch um unsere Referendare, lernen sie gewissermaßen an“, sagt der Mann. Kurios nur: Während die frisch ausgebildeten Referendare ab Sommer sofort nach der Gehaltsstufe E13 bezahlt werden, bleiben die erfahrenen Lehrerinnen für immer in der niedrigeren Gehaltsstufe A12/E11.

Das Problem: Keiner hat zunächst an die Luk-Lehrer gedacht, offenbar auch die Gewerkschaft nicht. Rein rechtlich laufe diese Berufslaufbahn aus, eine Beförderung sei nicht vorgehen, sagte Beate Stoffers, Sprecherin der Bildungsverwaltung. „Wir sind eine aussterbende Spezies“, meint dazu der 59-jährige Grundschullehrer. Er hatte einst in Templin studiert, als dann die Neubaugebiete im Osten Berlins hochgezogen und dafür Lehrer gesucht wurden, kam er im Jahr 1979 in die Hauptstadt.

Nach der Wende herrschte große Verunsicherung unter den DDR-Lehrern. Sie mussten sogenannte Sternchenkurse absolvieren, um sich weiterzubilden. Zum Abschluss prüfte dann ein Schulaufsichtsbeamter aus West-Berlin per Unterrichtsbesuch, ob ein Lehrer im neuen Deutschland angekommen war. Bewährungsfeststellung, hieß das.

Höheres Gehalt ab August

Die Luk-Lehrer hatten ihr Studium übrigens absolviert, ohne vorher das Abitur zu machen. Auch ein zweites Staatsexamen hatten sie nicht. Das konnten sie nach der Wende nachholen, doch es gab dafür nur wenige Plätze, berichtet der Grundschullehrer aus Hellersdorf, der bald verbeamtet wurde. Er dachte irgendwann, ein ganz normaler Lehrer zu sein.

Und er hatte ja auch mehr Glück als andere Luk-Pädagogen: Denn wer zu einem bestimmten Stichtag im Jahr 1990 als Erzieher und nicht als Grundschullehrer arbeitete, musste auf viele Jahre Erzieher bleiben. Erst im vorigen Jahr durften sich diese aus schierem Personalmangel wieder als Lehrer bewerben.

Ab August erhalten nun die frisch ausgebildeten Grundschullehrer genau so viel Geld wie Studienräte an Gymnasien. Das ist bundesweit bisher einmalig. Langjährige Grundschullehrer sollen auch höhergestuft werden. Fortbildung und Berufserfahrung sind Voraussetzung. Doch die Verhandlungen mit der Finanzverwaltung verliefen hier zäh. Klar ist nur: Einstige DDR-Lehrer gehen auf jeden Fall leer aus.