Berlin - Falls die Freifläche des Flughafens Tempelhof nicht wie geplant bebaut werden sollte, würde dies volkswirtschaftliche Kosten in Höhe von mindestens 298 Millionen Euro verursachen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten des Forschungsinstituts Empirica im Auftrag der Tempelhof Projekt GmbH und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Ein Verzicht auf die Bebauung des Areals würde nach Darstellung der Gutachter dazu führen, dass die geplanten Wohnungen und Gewerbeflächen an anderen Orten errichtet werden, die weniger zentral liegen. Folge: „Das größere Verkehrsaufkommen“ verursache private und öffentliche Kosten in Form von Zeitverlust, Lärm, Schadstoffen, CO2-Emissionen und Unfällen in der genannten Größenordnung – hochgerechnet auf 50 Jahre.

Die Angaben der Gutachter sollen dafür herangezogen werden, um die Bürger bei dem bevorstehenden Volksbegehren zum Tempelhofer Feld über mögliche Auswirkungen zu informieren. Wie berichtet, will die Bürgerinitiative 100% Tempelhofer Feld erreichen, dass das Areal des Flughafens als Freifläche erhalten bleibt.

4650?Wohnungen und Gewerbeflächen für 7750 Arbeitsplätze

Die Initiative hat dazu einen Gesetzentwurf für einen geplanten Volksentscheid vorgelegt. Darin heißt es, die Fläche stelle in ihrer „weltweiten Einzigartigkeit mitten im dicht besiedelten Stadtbereich einen unersetzlichen und unwiederbringlichen Wert dar, den es zu bewahren gilt.“ Damit die Bürger bei der Abstimmung wissen, welche finanziellen Auswirkungen das Gesetz hat, wurde vom Senat die Berechnung in Auftrag gegeben.

Die derzeitige Planung des Senats sieht vor, dass die Freifläche des Tempelhofer Feldes von 303?Hektar um 95 Hektar verkleinert wird. Geplant sind insgesamt 4650?Wohnungen und Gewerbeflächen für 7750 Arbeitsplätze.

Die Bürgerinitiative hält das vom Senat bestellte Gutachten nicht für plausibel. „Der Senat rechnet sich die Bebauung des Tempelhofer Feldes schön und er führt die Berliner hinters Licht“, sagt Hermann Barges, Vorsitzender der Bürgerinitiative 100% Tempelhofer Feld.

Bebauung belastet Haushalt mit 280 Millionen Euro

Barges beruft sich auf eine Kosten- und Finanzplanung der Tempelhof Projekt GmbH aus dem Jahr 2010. Danach würde die Bebauung des Feldes den Landeshaushalt im Zeitraum 2010 bis 2025 mit 280 Millionen Euro belasten, so Barges. Lediglich Kosten von jährlich 1,8 Millionen Euro würden hingegen anfallen, wenn das Tempelhofer Feld mit seinem heutigen Charakter erhalten bliebe.

Die Tempelhof Projekt GmbH widerspricht der Darstellung. „Wir kommen nicht in ein Minus von einer dreistelligen Millionenzahl“, sagt Unternehmenssprecher Martin Pallgen. Wie hoch der Betrag ist, der nach jetzigem Stand anfällt, werde gerade noch ausgerechnet. Dies hänge unter anderem davon ab, wie hoch die Häuser werden und zu welchen Konditionen die Grundstücke vergeben werden.