Ehemaliger Grenzübergang in Berlin-Mitte: Senat will am Checkpoint Charlie ein Museum des Kalten Krieges

Der Checkpoint Charlie ist ein historisch bedeutender Ort. Kurz nach dem Mauerbau standen sich hier am 27. Oktober 1961 amerikanische und sowjetische Panzer gegenüber – beide Seiten waren mitten im Kalten Krieg schussbereit. Der Berliner Senat ringt jetzt um mehr Einfluss an dieser Stelle, weil er dort ein Museum des Kalten Krieges einrichten will und die Darstellung der Geschichte nicht allein Alexandra Hildebrandt mit ihrem privaten Mauermuseum überlassen will. Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) will jetzt dem Bezirk Mitte die Zuständigkeit für das Areal entziehen, die Planung erfolgt dann durch seine Behörde.

Entscheidung am Dienstag

Dazu sollen die beiden Grundstücke an der Friedrichstraße/Ecke Zimmerstraße zum Gebiet außergewöhnlicher stadtpolitischer Bedeutung erklärt werden. „Am kommenden Dienstag werden wir das in den Senat einbringen. Wir wollen die Grundlagen schaffen, damit dort die Gedenkstättenkonzeption des Landes Berlin umgesetzt werden kann“, sagte am Freitag Geisels Sprecher Martin Pallgen.

Die Grundstücke befinden sich in Privatbesitz, auf ihnen stehen derzeit das Mauer-Panorama des Künstlers Yadegar Asisi sowie die Black-Box des Senats. Der Pavillon der Landesregierung dient schon jetzt dazu, die täglich Tausenden Mauertouristen am Checkpoint Charlie über den Ort und den Kalten Krieg zu informieren. Er ist Vorläufer des geplanten Museums.

Doch so einfach wird es nicht sein, ein Senatsmuseum auf Privatgrund zu installieren. Zwar hatte der Senat eine entsprechende Vereinbarung mit der irischen Investorengruppe Cannon Kirk, der bisherigen Eigentümerin. Die Iren verkauften die beiden unbebauten Filetgrundstücke jedoch im Mai an das Berliner Unternehmen Trockland Management. Wie es in Branchenkreisen heißt, soll der Kaufpreis bei rund 85 Millionen Euro liegen.

Trockland plant auf den 3400 sowie 5700 Quadratmeter großen Flächen an der Friedrichstraße 47 und 205 insbesondere den Bau von Wohnungen, Geschäften sowie ein Hotel. Baubeginn könnte bereits im kommenden Jahr sein. Zu seinem Vorhaben und dem geplanten Museum will sich Trockland bisher noch nicht äußern. Trockland und Cannon-Kirk bestätigen lediglich, dass sie sich über die Konditionen eines Erwerbs der Grundstücke geeinigt haben. Cannon Kirk hatte die beiden Grundstücke im Jahr 2007 für 29 Millionen Euro erworben. Später wurde mit dem Berliner Senat verabredet, dass das Land in dem Neubau, der eigentlich schon ab 2014 errichtet werden sollte, ein Museum des Kalten Krieges einrichten kann. Dafür sollten rund 3000 Quadratmeter Fläche angemietet werden. Die geplante Ausstellung ist Teil des Gedenkstättenkonzepts des Senats zur Berliner Mauer.

Millionen stehen bereit

Für die Erstausstattung des Museums sieht der Senat sechs Millionen Euro vor, später soll sich die Ausstellung über die Einnahmen selbst finanzieren. „Das Land hat nach wie vor ein großes Interesse daran, an dem Platz einen Erinnerungsort an den Kalten Krieg einzurichten“, sagte am Freitag Günter Kolodziej, der Sprecher der Kulturverwaltung. Dass an diesem prominenten Ort ein Museum sinnvoll ist, zeige das enorme Interesse der Besucher dort – etwa an den Tafeln der Freiluftausstellung oder in der Black-Box. Wie Kolodziej sagt, werde auch mit dem neuen Eigentümer eine einvernehmliche Lösung angestrebt. In Gesprächen müsse geklärt werden, wie groß das Museum sein soll und was es kostet.