Ehemaliges Sinn-Leffers-Gebäude in Neukölln wird umgebaut

Noch stöbern an den Kleiderständern und Wühltischen in der Karl-Marx-Straße 101 die Neuköllner Kunden durch Restposten der Karstadt Filialen. Doch die Tage des Schnäppchen-Centers, das bis 2001 das SinnLeffers Kaufhaus war, sind gezählt. Zukünftig sollen die Rolltreppen des Kaufhauses zu lichtdurchfluteten Büroräumen führen, sagt Robert Neumüller, Geschäftsführer der Immobilienfirma S Immo, der neuen Eigentümerin des Gebäudes.

Als Neumüller das erste Mal das Parkhaus hinter dem Schnäppchencenter betrat, war er von dessen morbidem Charme begeistert. „Das Gebäude und das Parkhaus stammen aus einer längst vergessenen Zeit“, sagt er. Inzwischen sei die Blütezeit der Warenhäuser jedoch vorbei, und heutzutage stünden die Bedürfnisse von Autofahrern auch nicht mehr im Vordergrund bei Neuplanungen. Sein neues Nutzungskonzept für Gebäude und Parkhaus aus den 1970er Jahren sieht daher auch etwas anderes vor: Büroräume, grüne Innenhöfen, Cafés, kleine Geschäfte und Fitnessräume.

Die Kreativwirtschaft im Blick

Die architektonischen Besonderheiten des Parkhauses , wie die massiven Betonpfeiler und Träger, sollen jedoch erhalten bleiben, erläutert Architekt Daniel Bormann von der Planungsfirma Realace. Im vorderen Teil würden die Rolltreppen an die frühere Nutzung des Gebäudes erinnern. Die Seitenwände sollen durch Glas ersetzt werden, in den hinteren Teil des Parkhauses wird ein Lichthof geschnitten. Die insgesamt drei geplanten Innenhöfe sollen für jeden zugänglich sein, ebenso wie die vorgesehene Dachterrasse. „Wir wollen das Gebäude mit neuem Leben füllen“, so Bormann. Dabei haben die neuen Eigentümer vor allem die Kreativwirtschaft im Blick. Diese verlagere sich von Mitte in den Südosten Berlins. „Wir wollen uns auch im Bezirk vernetzen und beispielsweise Räume für das Kunstfestival 48 Stunden Neukölln schaffen“, sagt Bormann.

Die Umnutzung des Gebäudes, das schon Quelle und später SinnLeffers beherbergte, passe gut zum Gesamtkonzept für die Karl-Marx-Straße, so Baustadtrat Thomas Blesing (SPD). Seit 2011 wird die Straße umgestaltet. „Die Straße und die zentralen Gebäude sollen aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt werden und den neuen Ansprüchen von Leben und Arbeiten gerecht werden“, sagt Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD). Gefragt seien Ideen gegen Leerstand und für Gebäude, die kaum genutzt werden.

Mindestens 30 Millionen Euro wird der Umbau des früheren SinnLeffers-Hauses laut S Immo kosten. Ende 2018 soll die 22 000 Quadratmeter große Mietfläche, verteilt über sechs Geschosse, fertig sein.

Sorgenkind „alte Post“

Was aus dem Nachbargebäude, der kaum genutzten alten Post, werden soll, ist dagegen noch ungewiss. „Das ist unser Sorgenkind“, sagt Blesing. Die derzeitigen Nutzer hätten einen langjährigen Vertrag, bei dem ihnen kaum Kosten für die Immobilie entstünden. „Daher gibt es auch nur einen geringen Antrieb, das Gebäude weiter zu entwickeln“, sagt der Baustadtrat. Der Vertrag laufe jedoch bald aus und es gäbe schon verstärkte Nachfragen für das Gebäude, so Blesing.