Adolf Wermuth (1855–1927), ein preußischer Beamter bester Art.
Foto: Ullstein/Haeckel Archiv

BerlinHundert Jahre nach seiner größten Tat wird Adolf Wermuth, 1912 bis 1920 Oberbürgermeister von Berlin, seine verdiente Ehrung durch den Senat erfahren. In nächster Zeit werde der Beschluss gefasst, Adolf Wermuths letzte Ruhestätte an der Schlosskirche in Buch in den Rang eines Ehrengrabs zu erheben. Das erfuhr die Berliner Zeitung von Sven Heinemann, Abgeordneter der SPD im Abgeordnetenhaus.

Der Parlamentarier hatte nach der Veröffentlichung eines Porträts über Adolf Wermuth in der Berliner Zeitung beim Senat Erkundigungen eingeholt und erfahren, dass die rechtlich erforderliche Bearbeitung und Vorbereitung vor dem Abschluss stehe. Eine Anfrage dieser Zeitung bei der Pressestelle des Senats war zuvor vier Wochen unbeantwortet geblieben.

Der parteilose Adolf Wermuth hatte in den Wirren nach dem Sturz der Monarchie und der Novemberrevolution 1918/19 die Verhandlungen zur Bildung Groß-Berlins geführt. Das „Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin“ wurde am 27. April 1920 vom Preußischen Landtag mit schwacher Mehrheit von 165 zu 148 Stimmen (Ja-Stimmen von SPD, USPD und Teilen der linksliberalen DDP) beschlossen und trat am 1. Oktober 1920 in Kraft.

Granb von Adolf Wermuth und seiner Frau  auf dem Friedhof neben der Schlosskirche in Berlin-Buch
Foto: Imago Images

Damit wurde der Grundstein für das Berlin des 20. Jahrhunderts gelegt; die Stadt erhielt ihre Form, die im Großen und Ganzen bis heute Bestand hat. Blockaden für die Entwicklung der Infrastruktur, vor allem Verkehr und Energieversorgung, wurden weitgehend überwunden.

Sven Heinemann begrüßt die anstehende Entscheidung, „diese stadtpolitisch wichtige Persönlichkeit“ zu würdigen: „Wermuths Positionierung gerade als parteiloser Spitzenpolitiker hat mit dazu beigetragen, vor allem durch Sachargumente und Diplomatie die nahezu unüberschaubare Zahl divergierender Interessen zusammenzuführen und mit allen Beteiligten diese neue große Struktur gemeinsamen durchzusetzen. Diese Leistung ist bahnbrechend und stadtpolitisch richtig gewesen.“

Der SPD-Politiker ergänzt: „Ein bisschen mehr Mut und Weitsicht wie sie Wermuth zeigte, würde bei den heutigen Herausforderungen der Mobilitätswende und Stadtentwicklung sehr helfen.“

Sven Heinemann verweist darauf, dass der vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller unlängst präsentierte Band über die Geschichte des Roten Rathauses ein Porträt Wermuths und eine Darstellung der Bildung von Groß-Berlin enthält.

Sinneswandel in der Senatskanzlei

Erstes Zeichen: 1967 wurde in der neuerbauten Gropiusstadt (Neukölln) ein kleiner Straßenabschnitt nach Adolf Wermuth benannt, der Wermuthweg. 
Anträge: Zweimal wurden Anträge der Evangelischen Kirchengemeinde Buch von der Senatskanzlei des Regierenden Bürgermeisters abgelehnt.
Begründung: Die Senatskanzlei nannte für die Ablehnung bislang formale Gründe – Wermuth der Bevölkerung unbekannt. Das soll sich ändern. 

Den Antrag auf ein Ehrengrab stellte die Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Buch im Januar 2019. Es war der dritte Antrag auf eine Würdigung Wermuths. Pfarrerin Cornelia Reuter freut sich über die frische Nachricht: „Hundert Jahre wurde der parteilose, unabhängige Mann totgeschwiegen, der das Richtige erkannt und das Notwendige für die Stadt getan hat. Die Erinnerung an solch engagierte Menschen tut unserer Stadt gut“, sagte sie der Berliner Zeitung.

Es gehe vor allem darum, dessen Bekanntheit zu erhöhen: „So eines Mannes braucht sich die Stadt nicht zu schämen.“ Bisher bemühten sich die Kirchengemeinde und der Verein für Friedhofskultur ehrenamtlich um die Grabanlage. „Wir wollten verhindern, dass die Erinnerung an Adolf Wermuth verlöscht“, sagt Cornelia Reuter.

Jetzt gibt es also zusätzlichen Grund zum Feiern, wenn am 13. und 14. Juni das Fest im Schlosspark Buch stattfindet. Cornelia Reuter hofft, dass es gelingt, Adolf Wermuths Buch „Ein Beamtenleben“, neu herauszubringen – ein aktuelles Lehrstück für Politik und Verwaltung.