Berlin - Im Fernsehen lief eine Reportage über den Harz-Tourismus im Lockdown. Eine Szene daraus muss mit auf die nächste „Voyager“-Mission. Aber nicht wegen der Landschaft. Zu sehen ist, wie das Ordnungsamt Goslar die Maskenpflicht an einem Rodelhang durchsetzt.

Folgendes: der Weltraum, unendliche Weiten. 1977 schoss die NASA zwei Sonden ins All, um den Rand unseres Sonnensystems zu erkunden und etwas vom Rest der Galaxie. In die „Voyager“ packte man Kupferscheiben voller Formeln, Diagramme, Fotos und Musik, um Außerirdischen einen Eindruck von der Erde zu vermitteln. Es gab damals Kritik, die Botschaft zeichne ein schmeichelhaftes Bild hiesiger Zustände. Deshalb hätte ich, falls mal wieder ein interstellarer Datenträger gefüllt wird, zwei Video-Vorschläge: einen Ballermann-Mitschnitt von Mickie Krauses „Zehn nackte Friseusen“ sowie den erwähnten NDR-Beitrag.

Zwei Erdbewohner, wohl Vater und Sohn, stapfen samt Schlitten bergan. Weil außer Puste haben sie sich ihre Masken unter die Nasen geschoben. Doch schon nahen zwei Herren vom Ordnungsamt: Die Atemwege müssten dicht sein. Nun, nach irdischem Wissensstand kann man sich zwar – bei hinreichendem Abstand – an frischer Luft kaum infizieren. Als wahrscheinlicher gilt, dass Aktivität menschliche Körper stählt und diese dabei mehr Sauerstoff brauchen. Andererseits gibt es auf unserem Planeten Vorschriften.

Jetzt kommt die Stelle, die ich gern für alle Zeiten und Welten eingeschreint wüsste. Plötzlich stößt das Ordnungsamt hervor: „Da fehlt die Maske.“ Das Amt rennt los. Ein kurzer Sprint durch den Schnee, dann holt es den Täter ein. Das Amt pumpt wie zwei Maikäfer: „Sie haben keine Maske getragen!“ Die Jagd hätte keine zehn Sekunden länger dauern dürfen. Sonst hätte die Behörde sich ihre FFP2-Masken herunterreißen müssen oder wäre elendig kollabiert. Mediziner warnen davor, sich unter diesen Dingern anzustrengen. Doch der Landkreis Goslar schickt seine Leute damit stundenlang auf die Piste. Bestimmt bin ich doof, aber ein größeres Gesundheitsrisiko ist für mich hier nicht erkennbar.

Mit letzter Luft presst das Amt die Worte „Allgemeinverfügung“ und „Ordnungswidrigkeitenanzeige“ durchs Dreilagenvlies: „Ausweis dabei?“ Der Täter mag es nicht glauben: „Ehrlich jetzt?“ – „Ehrlich jetzt. Ich bin auch hinter Ihnen hergelaufen, aber mit Maske. Das geht.“ Ja, ein paar Meter. Das macht jedenfalls um die 100 Euro Bußgeld, „trotzdem viel Spaß noch“. Später holt das Amt die Polizei, um die Identität unmaskierter Wintersportler festzustellen. Es geleitet eine Täter-Familie zurück zum Auto, überwacht die Abreise und veredelt selbige mit der Sentenz: „Ich verstehe diese Uneinsichtigkeit nicht. Schade, den Kindern ist jetzt der Tag versaut.“ Derweil spricht die Kanzlerin, bei der Impfstoffbeschaffung sei im Großen und Ganzen nichts schiefgelaufen, und kommt damit vom Acker. Erklär das einer den Klingonen.

Gewiss, das Geschehen ist schwer zu interpretieren, zumal für Wesen aus anderen Galaxien. Ich bin vergleichsweise nahe dran, aber wohl weniger vernunftbegabt. Jedenfalls vermag ich nicht zu deuten, ob dieses Filmdokument nun ein funktionierendes Staatswesen bei effizienter Seuchenhygiene zeigt oder den atemlos bergauf galoppierenden, in Allgemeinverfügungen gegossenen Schwachsinn. Falls jenseits der Milchstraße jemand die Antwort kennt: Bitte nehmt Kontakt auf.