Michael Verhoeven ist 77 Jahre. Er sagt, damit sei er zwar nicht uralt, aber alt genug, um langsamer zu treten. Der erfolgreiche Filmregisseur („Die weiße Rose“) lebt in München, mit seiner Ehefrau Senta Berger führt er dort seit 50 Jahren die Filmproduktionsfirma Sentana und in Berlin gehört ihm das Kino Toni am Antonplatz in Weißensee.

Vom etablierten Traditionskino Toni und dem kleinen Tonino will sich Verhoeven jetzt trennen. „Der Grund meiner Verkaufsabsicht ist mein fortgeschrittenes Alter“, sagte Verhoeven der Berliner Zeitung. Hinzu komme, so Verhoeven, dass die Kinoleiterin in zwei Jahren in Rente gehen werde. „Diese zwei Jahre habe ich mir zur praktischen Realisation des Verkaufs vorgestellt.“

Das Kino soll Kino bleiben

Der Verkauf der bekannten Immobilie am Antonplatz kommt zu einem günstigen Zeitpunkt. Weißensee ist eines der begehrten Wohnviertel im Norden Berlins, in den vergangenen Jahren sind dort immer mehr Familien hingezogen, sei es ins nahe gelegene Komponistenviertel oder rund um den Weißen See. Die Wohnungen in Zentrumsnähe sind begehrt und längst nicht mehr günstig. Die Straßenbahnen fahren eine Viertelstunde vom Antonplatz bis zum Alex.

Vier Wohnungen im Lichtspielhaus hat Verhoeven gerade sanieren lassen, zudem gibt es ein ausbaufähiges Dach. An kaufinteressierter Kundschaft wird es also nicht mangeln. Doch den Verkauf des Hauses knüpft Verhoeven an eine Bedingung. „Ich möchte, dass das Kino Kino bleibt“, sagt der Filmemacher. „So kommt es in den Kaufvertrag. Wer kein Kino machen will, bekommt das Toni nicht.“

Seit 23 Jahren gehört das Kino Toni dem Münchener Filmemacher. Verhoeven kaufte es 1992 von der Treuhand und ließ es im Jahr 1996 bei laufendem Betrieb umbauen. Fortan hatte das Kino zwei Säle: Eine großen Saal mit 275 Plätzen und einen kleineren, das Tonino, mit 102 Plätzen. Zum Filmprogramm gehören deutsche und europäische anspruchsvollen Art-House-Produktionen sowie Filme aus der DDR und Kinderfilme.

Trotz (oder wegen) des anspruchsvollen Programms musste Verhoeven das Kino viele Jahre mit privaten Subventionen am Laufen halten, er finanzierte den Betrieb zur Hälfte aus eigener Tasche. Dem Kino fehlten Zuschauer. Die Besucherzahlen waren von 120 000 Zuschauern im Jahr 1997 auf etwa 35 000 im Jahr 2005 gesunken. Kinobetreiber sahen diesen Absturz als Folge des Multiplex-Booms in diesen Jahren.

Amt verweigerte Werbetafel

Als Verhoeven zur besseren Außenwerbung für sein Programm 2006 eine elektronische Anzeigetafel an die Fassade des Kinos anbringen wollte, verweigerte ihm das Pankower Stadtplanungsamt so eine moderne Werbetafel. Sie sei „keine ortstypische Werbeanlage“, entschied die Behörde, die elektronische Werbung könne das Ortsbild am Antonplatz „negativ beeinflussen“. Als diese Begründung der Behörde öffentlich bekannt wurde, nahm das Amt seine Entscheidung zurück.

In den vergangenen Jahren hat sich die wirtschaftliche Lage des Filmtheaters offenbar verbessert, mehr Besucher gehen wieder ins Kino. „Wir brauchen nicht mehr privates Geld in unser schönes Kino stecken“, sagt Michael Verhoeven. „Toni und Tonini haben sich wirtschaftlich erholt.“ Gute Nachrichten für einen Nachfolger.